Trotz-dem zum Achtundzwanzigsten

Bitte

von Hilde Domin

Wir werden eingetaucht
und mit den Wassern der Sintflut gewaschen
Wir werden durchnässt
bis auf die Herzhaut

Der Wunsch nach der Landschaft
diesseits der Tränengrenze
taugt nicht
der Wunsch den Blütenfrühling zu halten
der Wunsch verschont zu bleiben
taugt nicht

Es taugt die Bitte
dass bei Sonnenaufgang die Taube
den Zweig vom Ölbaum bringe
dass die Frucht so bunt wie die Blume sei
dass noch die Blätter der Rose am Boden
eine leuchtende Krone bilden 

und dass wir aus der Flut
dass wir aus der Löwengrube und dem feurigen Ofen
immer versehrter und immer heiler
stets von neuem
zu uns selbst
entlassen werden.  

Hilde Domin, Bitte.
Aus: dies., Gesammelte Gedichte.
Copyright: S.Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main 1987

2 Gedanken zu „Trotz-dem zum Achtundzwanzigsten

  1. Elisabeth Baumann

    Liebe Lisa
    Herzlichen Dank für das Gedicht von Hilde Domin ! Worte die mich berühren, verwirren, in diese Zeit passen.

    Heute Abend haben wir auch den Himmel bestaunt: das Abendrot, die Farben, ohne Flugzeugspuren, das Licht scheint uns viel klarer.
    Gute Ostertage wünsche ich euch und sende herzliche Grüsse hinauf zur Jägerei!
    Elisabeth

    Antworten
    1. Lisa Tralci Beitragsautor

      Herzlichen Dank! Ich freue mich, wenn dich das Gedicht „erreicht“. Zum Himmel: ich denke bei den seltenen Flugzeugen inzwischen:“aha, Rückholflug“…
      Liebe Grüsse und eine gute Zeit, Lisa

      Antworten

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