ARGAblog: In einer Nacht

 

Ein Beitrag, um nicht über unser System zu schreiben, in dem denen, die viel haben, dazugeschenkt wird und denen, die wenig haben, nicht nur nichts gegeben, sondern auch noch genommen wird. 

 

In einer Nacht wie dieser ist es sinnlos, an Schlaf zu denken. Es ist unmöglich, sich vor der Vergangenheit zu verstecken, wenn alles offenliegt, alle Enttäuschungen und Sehnsüchte, Erfüllung, Glück und auch der ewige Schmerz darüber, dass etwas fehlt oder vergeht, der uns auch in den glücklichsten Momenten erfasst, oder vielleicht gerade dann – wenn man glaubt, vor allem geschützt zu sein, und nicht möchte, dass sich etwas ändert: kurze Augenblicke, die das Leben über sich selbst hinwegheben, und in denen wir uns ebenso lebendig fühlen wie auf unerklärliche Weise untröstlich. Als der schwache Schein der Dämmerung ins Zimmer dringt, öffne ich die Lider, beobachte das Licht, wie es langsam über die Fensterbank wandert und alles transparent und unerreichbar wirken lässt.
Ich blicke hinaus in den Garten, am Fensterglas glitzern Tröpfchen, und bald ist es so hell, dass die Blätter gelb leuchten, als gingen die wuchernden Sträucher in Flammen auf. Vielleicht brennt auch die Stadt um mich herum, oder mein Verstand, wild jagende Gedanken. Ja, falsch gedacht, dass Gedanken im Alter nicht schnell sind, im Gegenteil. Erst dann fliegen sie wirklich und finden ihre endgültige Form, so wie die Sinfonien grosser Komponisten.

 AutorIn unbekannt.

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