Vergänglichkeit und ihre Gegenspieler

Eine Ausstellung mit Marlies Pekarek, Andrea Giuseppe Corciulo und Daniel Manser im Alten Zeughaus Herisau. Auf Einladung der Casino Gesellschaft Herisau zeigen Kunstschaffende aus der Ostschweiz Ausschnitte aus ihrem Werk. Auf drei Stockwerken sind Bilder mit Menschenaffen, Hautstreifenbilder und installierte Malerei zum Tod einer Eule zu sehen. Ein subjektiver Gang durch die Ausstellung.

Vielleicht haben auch Sie Glück. All jene, die sich letzten Freitagabend im Alten Zeughaus in Herisau einfanden, kamen in den Genuss magischer Momente. Der Künstler Andrea Giuseppe Corciulo stellt dort im ersten Stockwerk unter dem Titel „To explore a thousend little deaths“ seine Arbeit über die tote Eule aus. Ausgangspunkt der verschiedenen Arbeiten unter diesem Titel war die Begegnung mit einer toten Eule. Corciulo fand sie bei einer Wanderung im Appenzellerland und war berührt von ihrer scheinbaren Unversehrtheit, von ihrer stillen Schönheit. Er fotografierte sie und später weitere tote Vögel. Die verendeten Flugtiere wurden zum Synonym für die unscheinbaren Tode, die in jeder Sekunde in jedem Winkel stattfinden. Der abgewendete Blick, die geknickte Blume, der tote Fisch. In saftigem Pink hat der Künstler auf drei Wandteile verschiedene Perspektiven der toten Eule gemalt. Auf dem Boden davor liegt eine Schicht Mehl, weisser Staub, Beruhigung und Betonung zugleich. Mehrere gleichformatige Bilder zeigen Schattenteile des Vogels, flüchtig-leicht auf grundiertes Holz gemalt und mit Wachs überzogen. Die Vergänglichkeit ist präsent und durch die Farbe auch ihr Gegenspieler, das triefende Leben. Das an diesem Abend durch die seitlichen Fenster fallende Licht schuf eine fast unwirkliche Szenerie voller Poesie. Ein lichtaufgeladener Raum, zärtliche Sonnenfinger die die Eule kosen und der Arbeit Corciulos eine weitere Dimension geben.

Die grossen, fragilen Affen
Im Erdgeschoss hängt die Zeichnungsserie „Menschenaffen“ der in St. Gallen wohnhaften Künstlerin Marlies Pekarek. Aus den Zeichnungen schauen der Betrachterin in sich ruhende Gorillas und Schimpansen entgegen, oft sind es Affenmütter mit ihren Jungen. Die Bilder scheinen von fürsorglicher Innigkeit und gleichzeitig wacher Aufmerksamkeit zu erzählen. Die Künstlerin hat das Verhalten der Tiere während längeren Auslandaufenthalten und im Basler Zoo beobachtet, ist fasziniert von deren Clanverhalten und von ihrer mütterlich-menschlichen Art. Marlies Pekarek arbeitet bevorzugt in Serien und Wiederholungen. Ihre Themen gestaltet sie vielschichtig aus, sie fertigt neben Zeichnungen auch Objekte und stellt Gebrauchsgegenstände her. So finden sich im Alten Zeughaus sitzende Affen aus Glycerinseife neben Plastiken, die in Einzelanfertigungen aus verschiedenem Porzellan hergestellt sind. Wenn sie den Affen als Vorgänger der Menschenzeit thematisiert, sind dabei immer auch die urmenschlichen Fragen des woher und wohin. Und wenn sie die Plastiken aus einem Knochenporzellan herstellt, kann darin auch Wiederkehr, Erneuerung und Veränderung verstanden werden. Sie sind fragil, diese kleine Porzellanaffen und vielleicht erinnert genau diese Zerbrechlichkeit daran, dass Lebensräume bedroht sind, Arten aussterben.

Dreissig Farben für dreissig Bilder
Welche Farbe hat Ihre Hand wenn Sie frieren? Sehen die Blutläufe unter Ihrer Epidermis blau oder grün aus oder ist es eine Mischung aus beiden Farben? Und dieser Pigmentfleck, ist das blasses Ocker oder ähnelt es mehr der Farbe von Lehm? Der konzeptionellen Arbeit von Daniel Manser liegt die Extraktion aller möglichen Farben der Haut seiner Hände zu Grunde. Bereits frühere Arbeiten Mansers beschäftigen sich mit dem Thema Hautfarben. Einem Fries gleich hängen in der laufenden Ausstellung die dreissig Bilder im obersten Stockwerk des Alten Zeughauses. Sie sind 30 x 30 cm gross, in immer wechselnden Streifenfolgen mit Acrylfarben gemalt. So wie sich die Farbgebung der Handhaut stets neu zusammensetzt, sind auch Mansers Farbstreifen angeordnet. Auf jedem Bild finden sich zwanzig Farben, jede Farbe kommt nur einmal vor. Taubenblau trifft beigerot, pastellviolett wohnt manchmal neben hellelfenbein.

Die Werkzeichen der drei Kunstschaffenden sind noch bis zum 23. Mai im Alten Zeughaus ausgestellt. Es sind je eigene Räume, die da auf diesen drei Stockwerken geöffnet werden, etwas schade vielleicht, dass den an der Vernissage Anwesenden keine Einführung zuteil wurde. Nicht die langatmigen Ausführungen sind gemeint, mehr die kleinen Inputs, die den Besucher-/innen der Ausstellung zusätzliche Blickwinkel eröffnen und mit der einen oder anderen Zusatzinformation auch näher bringen.

 

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