Visite, die zweite

Die Gärtnerin absolviert an Tagen mit auswärtigen Verpflichtungen morgens und abends eine Gartenrunde. Schnecken ablesen, Schädlinge-Nützlinge beobachten, zwecks Erste-Hilfe-Massnahmen oder Planen des nächsten Essens aufgrund des Reifezustandes von Gemüse oder Salat. Rote und gelbe Krautstiele riefen an diesem Morgen nach baldiger Verwertung, Vorfreude für die Grünblattliebhaberin. Gratiniert, als Quiche oder zusammen mit Ricotta als Füllung für Cannelloni u.v.m., – sie mag es, mit dem zu kochen, was grad zur Verfügung steht. Ein Arbeitstag fliegt vorbei, die Gärtnerin ist wieder im Garten, auf den Stufen hinauf zum Gemüsegarten stockt kurz der Atem. Da stehen rote und grüne Krautstiel-Stengel, blattlos, in unterschiedlicher Länge. Kurz nur streift sie der Gedanke, ob sie selbst am Morgen in einem umnachteten Anflug die Blätter gemeuchelt habe – da sie jedoch morgens wach – wirklich früh wach! – ist, verwirft sie den Gedanken sogleich und geht näher. Da ist weiterer Mangel zu entdecken: es fehlen neben den Krautstielblättern Teile des Mangolds, eineinhalb pflückreifer Lattich und Teile eines Batavia sowie alle Blüten zweier Geranien, die auf einem Baumstrunk standen. Die forensische Ader der Gärtnerin sieht es rasch. Ein paarhufiges, wiederkäuendes, vegetarisch lebendes Tier war zu Besuch, die Spuren am Beetrand verraten den erneuten Besuch eines Rehs. Die kurze Entrüstung ist rasch verflogen, gehört doch dieses Tier zu jenen, welche die Gärtnerin besonders mag. Was nicht heisst, dass ich die jungen (dickwurstähnlichen) Dachse, die ich aktuell abends am Waldrand beobachten kann, nicht auch drollig finde… Zum Vergrössern der Bilder diese anklicken!

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