Archiv des Autors: Charles Martin

Zeitgenössisches Bauen ?

Da gibt es eine Bauparzelle an bester Lage in einer Vorortsgemeinde der Schweizer Kapitale. Es wird kein unbebautes Land benötigt (auf der Parzelle steht ein Abbruchobjekt). Die Fläche des Grundes ist von beachtlicher Grösse. Im weiten Umkreis gibt es keine historischen oder speziell interessanten Gebäude, die nach Rücksichtnahme verlangen. In unmittelbarer Nachbarschaft sind Hochhäuser. Die Parzelle ist voll erschlossen, öV einen Steinwurf entfernt. Ein Naherholungsgebiet und der See sind vor der Tür und doch nicht frei in unbebautem, schützenswertem Raum. Ein Glücksfall sozusagen. Auf der Parzelle hätte –  ohne zu übertreiben – Architektur von nationaler Bedeutung entstehen können und das 10 Fahrminuten vom Hauptbahnhof entfernt…..

Obiges Bild zeigt einen Ausschnitt der real entstandenen Tristesse.   Es zeigt in brutalster Weise, was ein Baugesetz (was wird da eigentlich geregelt ?),  Kleingeist, Visions- und Geschmackslosigkeit sowie Profitdenken anrichten können.

Solche Bauten stehen dominant im öffentlichen Raum und verlangen eigentlich von den Erbauern auch Rücksichtnahme und Verantwortung gegenüber den Mitmenschen. Solche Schandmale wie das hier legal entstandene, kränken jeden guten Geschmack, berauben verantwortungsvolle, fortschrittliche und weiterdenkende Bauherren und Architekten der Wirkungsfelder und schaffen mit der stumpfen und plumpen Kleckerei auch ein abgetakeltes Allgemeinbefinden in diesen „Wohnstätten“.

Ein Baugesetz das seine Existenz und seine Integrität rechtfertigen will, verlangt hier umgehend RÜCKBAU und DENK-Pause!

 

Das Geschenk am Stadtrand

Nordreisend machten die Schreibenden auch in der schwedischen Metropole Halt. Die Stadt, die  auf 14 Inseln im Schärengarten vor der Ostsee  gewachsen ist, lässt sich nicht so einfach überschauen.  Der alter Stadtkern (Gamla Stan) und das angrenzende Fährhafengelände sind der einfacher zu erkundende Teil. Viel Interessantes liegt um dieses „Zentrum“ auf den umliegenden Inseln, verbunden mit unzähligen Wasserwegen und Brücken. Landratten wie unsereiner müssen da zuerst mit all den Kanälen zurechtkommen. Zum letzten Aufenthaltstag lockte ein Besuch auf die Insel Lidingö, dort, so versprach ein kleiner Eintrag im Reiseführer, befinde sich der öffentlich zugängliche Garten eines bekannten schwedischen Bildhauers   –  Millesgården.  Das Wetter zeigt sich für einen Gartenbesuch von der allerbesten Seite und die Reisenden finden sich erwartungsvoll und zeitig  – vor Pfortenöffnung – an der Adresse inmitten eines Wohnquartieres ein.

Was der Herr, der um 10 Uhr die Tore zum Garten offnet, für die BesucherInnen zugänglich macht, ist mehr als eine Ueberraschung und rechtfertigt allein eine Nordreise. Anfangs ungläubig in die Morgensonne blinzelnd, betreten die Gartengäste durch ein niedriges einfaches Empfangsgebäude eine Garten – Skulpturen Anlage von betörender Schönheit . Der auf verschiedenen Ebenen angelegte  Garten mit den darin eingebetteten und installierten Skulpturen ergreift die Besuchenden nicht bloss auf der visuellen Ebene. Man taucht ein, und das Getriebe der Stadt ist weit weg – auf Kieswegen über Treppen und Terrrassen, vorbei an teils riesigen wasserspeienden Figuren, ästhetisch anspruchsvollst gestalteten Wasserbecken oder zierlichen, scheinbar im blauen Himmel hängenden Tänzerinnen und Posaunen spielenden Engeln. Man erkundet das Reich des des Künstlerpaares Carl und Olga Milles, die an eben diesem Ort gelebt und gearbeitet haben und dieses einzigartige Kleinod am Stadtrand der Nachwelt hinterlassen haben. Erhöht, mit Blick über Garten und Stadt, stehen vom Architekten Karl Bengtsson entworfen das grosszügige Wohnhaus und Atelier des Paares. Die Räumlichkeiten sind dem interessierten Besucher ebenfalls zugänglich und eröffnen Einblicke in die persönlicheren Vorlieben der einst hier Lebenden. Die Affinität zum mediterranen Kulturraum mit entsprechenden Farben, Formen und lichter Raumgestaltung verleitet dazu, sich viel weiter südlich zu wähnen.  Inmitten der Anlage lädt ein Bistro zu Speis und Trank ein und man möchte einfach in diesem Garten bleiben – den ganzen Tag…………….

 

 

 

Schneebesuch(er)

Der erste Besucher an diesem winterlich wirkenden Samstagmorgen, an dem die ARGA-Menschen länger als sonst am Frühstückstisch sitzen bleiben, ist Herr Reineke junior. Er wähnt sich völlig unbeobachtet und wälzt sich im Puderzuckerschnee, bevor er rund ums Lärchenhäuschen rast. Er weckt Erinnerungen an jenen Artgenossen in der Toskana, der jeweils neben den Gartentisch kam, an dem die Ferienleute sassen und assen. Kulturfolger – wie die Stadtfüchse oder die Krähen… Dass hier keine Jagdflinte steht, kann er nicht wissen…

Das Bild ist unscharf, Überwachungskamerabilder halt…

Im Nebel

…..Fast ein wenig überraschend ist er ins Land gekrochen. Vor Wochenfrist war man sich noch einig, dass sich das Grün der Laubbäume wacker halte, heute schon präsentieren sich Wälder und Gehölze im Herbstfarbenrausch – in der Intensität  allerdings  gedämpft durch den Licht- und Wärmeschlucker Nebel, der zudem alles mit Nässe betüncht. Feuchte, modriger Geruch und sehr beschränkte Sicht in monotones Grau hemmt die Motivation, sich draussen aufzuhalten. Sogar die ARGA Katze macht einen Buckel und lungert missmutig durch den Garten (vielleicht auch etwas geplagt von üblen Vorahnungen auf die weisse Pracht, die dann ihren Aktionsradius über Wochen erheblich einschränkt). Umso aufregender, wenn sich  gleich vor dem Haus das eine oder andere in Szene setzt. Dem Feuchtwetter wird nachgesagt, dass es „pilztreibend“ sei – leider reichte die freie Zeit in diesem Jahr nicht, diese Regel zu überprüfen, obwohl die hier Schreibenden einem exquisiten Pilzgericht aus Eigensammlung ganz und gar nicht abgeneigt sind. Schon die Formen, Farben und Namen dieser Fruchtkörper sind ja zum Schwelgen – geschweige denn ein Gericht mit frischen „Pfifferlingen“ peppig  gewürzt mit Pulver eines getrockneten „Habichts“ und optisch abgerundet mit ein paar Trichterchen von „Totentrompeten“.

Und heute, quasi über Nacht und aus dem dichten Nebel taucht nun also eine Gruppe dieser eigenartigen Gesellen im Garten auf. Ein Gewächs, dem das Feuchtgraue meines Erachtens geradezu anzusehen ist. Eine Herbstlorchel ist’s – die Herbstschwester der Morchel, die den Kulinarikern wohl bestens bekannt ist. Die Existenz dieses Schlauchpilzes war mir bekannt, und obwohl sie nicht selten sein soll, hatte ich bis dato noch keine reale Begegnung. Umso erfreulicher, dass sich der Pilz in unserem Gartenhabitat wohl zu fühlen scheint. Die Frage, wie solche Gewächse eines Tages  „einfach so“  aus dem Boden spriessen, kann nur mit Vermutungen halbwegs beantwortet werden. Wir haben sie stehen lassen, diese sehr eigenwillig geformten Gewächse, deren kulinarischer Wert umstritten ist – stattdessen haben wir beschlossen, die letzten Auberginen in die Bauchwärme zu befördern…

 

 

 

Der Gewöhnliche

Er ist früh aufgefallen, sehr früh. Sein monotones Rezitieren erklang täglich, bei jeder Witterung und zu jeder Tageszeit. Er setzte sich auf jeden Baum des Hügels, um sich akustisch bemerkbar zu machen. Sein „Gesang“ frass sich schier in meinen Gehörgängen fest – verfolgte mich, von Ost nach West und wieder zurück. So präsent war (und ist) er, dass er auch hier erwähnt werden mag.
Der Buchfink ist DER Universalvogel. Die ersten Lieder im Humangesangsunterricht hätten es schon erahnen lassen müssen. Da war nämlich von Amsel, Drossel, Fink und Star die Rede. Ornithologisch gesehen eine etwas verwirrende Aufzählung, weil ja die Erstgenannte eine Drossel (Schwarzdrossel) ist und die Drosseln eine Art aus der Ordnung der Singvögel. Schulgesangsbücher müssen also zumindest in diesem Bereich nicht sonderlich korrekt beschreiben. Beim im Lied genannten Fink wird ganz gewiss der Buchfink gemeint sein. Diesen kannte zumindest während meiner Heranwachsenszeit nämlich wirklich fast jedes Kind und  meine Erzieher kannten ihn  schon an seinem Buchfinkenlied auf Anhieb, welches von eben diesen  als „ziziziziwillspöizia“ in Kindersprache übersetzt wurde. Ich habs verinnerlicht – er klingt wirklich etwa so (ausser jener bei uns auf dem Hügel, der kann nur „ziziziziziwiiiii ——–dann verlabbert er sich in Unverständlichem. Trotzdem ist er sicher ein Buchfink. Ich gebe zu, seine Dauerpräsenz hat bei mir kein freudiges Herzklopfen ausgelöst. Wer so abseits wohnt, wünscht  sich doch mindestens den Besuch eines Distel-, Berg- oder Grünfinken, doch nicht jenen, der auch in der Stadt von allen Dächern pfeift. Derweil nun auf dem Hügel die angebotenen Vogelwohnungen bezogen wurden und nebst den Meisen und Rotschwänzen auch ein Trauerschnäpperpaar erfolgreich brütet, übt der Buchfink noch immer unverdrossen seine noch immer unvollständige Litanei – ich glaube er hat ob all den Singversuchen den Vogelfrühling verpasst – und ist vielleicht grad deswegen etwas Besonderes in der weltweit schier unendlich grossen Population der Buchfinken.

 

 

 

Ausstieg als Einstieg

Während 3 Jahrzehnten haben SIE mich begleitet und zu einem guten Teil auch meinen Tagesrhythmus und Jahresgang mitbestimmt. Vor rund 10000 Jahren haben sich die Ziegen erstmals mit Menschen eingelassen (oder der Mensch sich mit ihnen). Die gemeinsame Geschichte ist also eine lange und bemerkenswerte – trotzdem blieben sie als Begleiter der menschlich-tierischen Enwicklungsgeschichte  über all die Zeit und bis heute eine Minorität. Das mag an ihrem nicht gerade einfachen Wesen und all den zutreffenden (und angedichteten) Eigenarten liegen, die sie sich bis dato bewahrt haben und wohl auch nicht abzulegen gedenken. Eben diese charakterlichen und physischen Eigenheiten haben jene, die mit Geissen „zu tun gedachten“ abgeschreckt oder aber vorbehaltlos für sie eingenommen. Bei mir war zweites der Fall. Durch Zufall kam ich mit ihnen auf „Fellfühlung“ und hatte die Möglichkeit, diese Begegnung auszuweiten und über recht lange Zeit mit allen Begleitabenteuern und Lernfeldern zu erleben.

Strandgut des Zeitflusses sind stets kleinere und grössere Veränderungen – so kommt es, dass die Felltiere nun versucht sind, mit ihren „Kapriolen“ weitere Zeitgenossinnen in ihren Bann zu ziehen. Im Verlauf dieses Jahres übernehmen Sibil und Stefan mit Ida und dem bis dato noch unbenannten und ungeborenen Menschlein die Betreuung des Landwirtschaftlichen Kleinstbetriebes mit der dazugehörenden Geissenherde. Ich werde – so hoffe ich – Zeit und Gelegenheit finden, an dieser Stelle die neue Konstellation auf dem Geissenbetrieb schreibend und bebildernd zu begleiten – sicher verbunden mit diversen berichterstattenden Ausschweifungen und Abstechern in verwandte Themenbereiche. Schliesslich ist ja im Februar in China auch das Jahr der Ziege angebrochen….

Neuntöter’s Mundvorrat

Die Natur beschert uns Eigenartiges – und nicht immer erschliessen sich uns die Abläufe und Hintergründe auf der Stelle. Oftmals begreift Mensch nur bei genauem und längerem Hinschauen und Beobachten. Diese Heuschrecke ist nicht in suizidaler Absicht in die Weissdornhecke geflogen und hat sich so fein säuberlich aufgespiesst.

300px-Neuntoeter   Männchen                         5160_1  Weibchen

Der Vogel ist an einem Sonntag im Juli aufgefallen. Einerseits ein neuer Ruf und andererseits seine Aktivität in einer der nahen Hecken. Unschwer konnte er rasch als Neuntöter identifiziert werden. Die Freude über den nicht gerade alltäglichen Besucher steigerte sich ein paar Tage später, als die Altvögel bei der Fütterung von noch nicht ganz selbständigen Nestflüchtern beobachtet werden konnten. Es hatte also (bis dato unbemerkt) eine erfolgreiche Brut stattgefunden.

Der Neuntöter (auch Rotrückenwürger) ist ein Sperlingsvogel aus der Familie der Würger und ist nur noch gelegentlich anzutreffen. Sein Habitat sind mit dichten  Hecken und reichlich Buschwerk durchsetzte Wiesen in eher trockenen Lagen. Die Brut findet gut geschützt in eben diesen Hecken statt. Der Vogel hat die Gewohnheit, seine Beute bis zur Grösse von Mäusen in Dornhecken aufzuspiessen. Früher wurde behauptet, er lege sich so zuerst einen Vorrat von neun Beutetieren an, bevor er zum Verzehr schreite, deshalb sein ungewöhnlicher Name. „Unsere“ Neuntöter  haben sich als Fressplatz stets den selben Heckenabschnitt ausgewählt, wo ich nach mehrmaliger Nachschau auch die „gepfählte“ Heuschrecke fotografieren konnte. Dem uneingeweihten, zufällig hinschauenden Spaziergänger könnte diese Situation doch einiges Kopfzerbrechen bereiten…….

 

Erstflug

Allzulange dauerte die erste Flugreise des jungen Turmfalken nicht. Vielleicht war es ein allzu stürmisches Vorprellen, um die herbeigeflogene Beute der Eltern als Erster zu erreichen, vielleicht war es auch einfach der Mut des Erststarters. Am 13. Juli präsentierte der Jungfalke zum Fototermin für unseren Blog-Beitrag. Etwas ramponiert sass er auf einem landwirtschaftlichen Gerät und hoffte wohl auf die Unterstützung seiner Eltern.

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Wie erhofft, hat es also geklappt. Insgesamt haben drei Jungfalken die Behausung verlassen. Wir wünschen den „Ausfliegern“ gute Bedingungen zum Start in ihr Leben als selbständige Vögel.

In Kürze werde ich über einen weiteren nicht gerade alltäglichen Bruterfolg berichten……