Archiv der Kategorie: Zeitgedanken

Oranges Wochenende

Dank Naturkeller, wachsamem Auge und einer Agrumenaffinität ist es möglich, in einem Kleinsthaushalt über die Wintermonate gut 50 kg Orangen entweder einfach so zu essen oder weiter zu verarbeiten, damit während der orangenarmen Zeit nicht völlige Enthaltsamkeit angesagt ist. Regelmässig Lesende wissen, dass es sich dabei nicht um irgend welche „anonymen Orangen“ handelt, sondern um Früchte aus diesem Projekt. So dem Tun hingegeben, lässt sich Musik hören, von Süd- und Nordferien träumen oder die Gedanken um die kommende AR-Regierungsratswahl kreisen lassen. Nicht viel Neues in Sicht – leider! „Füllen auf fünf“ ist kaum möglich, dazu fehlt es an eigenständigen, wirklich unabhängigen Positionen und Charisma und v.a. an Vertrauen, wenn der Blick das Wirken von einzelnen Bisherigen fokussiert. Und ja, vermutlich haben diejenigen Recht, welche entgegen, dass die wirkliche „Politik“ sowieso anderswo gemacht werde. Nämlich hinter verschlossenen Türen (frau denke u.a. an das Freihandelsabkommen, die vielen Lobbyisten und erwartungsfrohe Sponsoren von Wahlkampagnen).

Tja, so also vergehen Sonntage: während die Hände werken, rumort es im Schädel – das Handwerk darf sich sehen lassen, der Wahlzettel liegt noch auf dem Tisch. Leer. Neben Orangenkonfitüre (jeweils 1 kg gemischt aus Fruchtstücken, Schale, Saft und 250 gr Zucker sowie 25 g Apfelpektin, kein Wasser – hält aus Erfahrung bestens, sauberes Arbeiten vorausgesetzt!); Orangenmeersalz (frische Zesten auf einem Backpapier mit Meersalz mischen und in ein Schraubglas füllen, sparsame Verwendung z.B. in einer Tomatensauce, bitterem Grüngemüse wie Catalogna, Cima di rapa oder Puntarelle); Orangensirup vom Feinsten (nach diesem Rezept, mit weniger Kardamom, für Desserts, Drinks, als Trinksirup um Welten besser als alle stark beworbenen Süssgetränke); Orangenzucker (Schale vom weissen Teil befreien, trocknen und mahlen, mit Zucker mischen und wo gewünscht benutzen und Orangenöl als Versuch (Schale mit wenig weissem Albedo in neutrales Ö eingelegt, falls überhaupt Aroma ins Oel übergehen wird, wäre es als Würzöl einsetzbar) und ein weiterer, letzter Versuch: Zesten (auf ein Blech ausgelegt, in den Tiefkühler gestellt und später in ein Gefriersäcklein abgefüllt, für Gebäck etc.).

So. Soviel für dieses Jahr zu Orangen. gebana bietet schliesslich noch mehr … !

Trotzallem …

im Dickicht, Chaos und all den Leiderfahrungen auch/wieder/noch Farben sehen… weil es sie gibt, wenn der Blick dafür offen bleibt und sich die Vernunft wehrt gegen Bitterkeit und Resignation, gegen allzu einfache Strickmuster und gegen blinden Hass. Rezepte dafür gibt es hier keine, jedeR ist selbst herausgefordert und in der Verantwortung – jeden Tag und in jeder Begegnung, auch in der mit sich selbst…

Viel mehr als Schuhe

Möglich, dass der Schreiberin irgendwo irgendwann ein Waldviertler-Schuh aufgefallen ist. Ebenso möglich, dass ihr Brennstoff in die Hände fiel. Klingt wie Zündstoff und ist eine Zeitschrift, in der im Editorial Worte wie „entsagen“,  „ermutigen“ oder „Herzenspflege“ stehen können. Und der Satz: „Sei kein Opfer. Folge Deiner Sehnsucht. Geh!“. Der sie sprach und schrieb heisst Heini Staudinger, seines Zeichens Herzkopf der ,Waldviertler Schuhwerkstatt, der GEA Möbelwerkstatt zig GEA-Geschäften (leider nur einem einzigen in der Schweiz und zwar in Zürich) der GEA-Akademie und leidenschaftlicher David im Widerstreit mit einer Organisation namens F.M.A. – das ist u.a. eine jener Organisationen, welche das abartige Gebaren  den Niedergang vieler Geldinstitute nicht zu verhindern wusste … doch eins nach dem andern. Besagter Heini Staudinger lässt neben Taschen, Naturmatratzen und Möbeln vor allem Schuhe herstellen. Nicht irgendwo auf der Welt wo’s grad günstig ist (und wo sich keiner einen Deut schert um das Wohl von MitarbeiterInnen, Mitwelt etc.) sondern in Österreich, im Waldviertel. Seit dreissig Jahren pflegen Staudinger und seine Schuhentwerferinnen und Schuhmacher das Schuhwerk, das ein Handwerk ist und dem fast der ganze Fachkräfte-Nachwuchs auszugehen drohte, weil andere Schuhfirmen weit weit weg billig produzieren lassen. Staudinger lässt Schuhe fertigen, die für weit mehr als eine Saison gemacht sind. Waldviertler sind eine Anschaffung die einem begleitet, über Jahre und wenn ein solches Paar Spuren der Zeit aufweist, ab damit in den Waldviertler-Reparaturservice. Es gibt  eine Grundpalette an Schuhen, was ein Paar mitteleuropäischer Füsse halt so benötigen könnte: vom halben Schuh zum Stiefel, Wandergesellen und Feinware. Die Farben wechseln, die Qualität bleibt. Weniger, dafür „besseres“ Schuhwerk.
Zurück zum Anfang: zum Krauskopf Staudinger. Frau könnte ihn nur wegen seiner Schuhphilosophie mögen. Dafür, dass er Mit-Mensch ist, auch seinen Angestellten gegenüber. Doch das wäre kurz gedacht. Staudinger unterstützt allein erziehende Mütter, fördert Sonnenenergie-Anlagen oder Projekte in Afrika. Da ist der erwähnte Brennstoff, eine Zeitschrift deren Inhalt sich immer wieder als Geist- und Herznahrung entpuppt. Hier bietet Staudinger eine Plattform, die Mut macht und auf der Klartext geschrieben wird.
Dass es Heini Staudinger gelungen ist, für Erweiterungen eine grosse Summe Geld statt von den Banken aus seinem Gönner- und Freundeskreis zu bekommen, hat ihm einen erbosten Widersacher beschert. Die oben genannte Organisation wirft ihm vor, das Bankengesetz umgangen zu haben und hat Klage eingereicht. Frau wird lesen, wie sich die Prozessgeschichte entwickelt. David hat die Sympathien auf seiner Seite.

Weiter denken

Der Garten ist eingewintert. Schützen, schneiden, umhüllen, mit Nahrung versehen und abdecken gehören dazu. Empfindliche Pflanzen dürfen ins Winterquartier, die allerempfindlichsten sind schon im Gartenhaus; Fuchsien, Geranien, Lorbeer oder Rosmarin kosten die Sonnenstrahlen so lange es nur geht. Diese Jahreszeit ist gartenbezogen nicht nur die Zeit des Rückzugs und des Schutzes sondern auch Pflanzeit für alle Frühjahrsblüher, für das Setzen von Blumenzwiebeln. Die schreibende Gärtnerin schätzt diesen Teil der herbstlichen Gartenarbeiten besonders – ist er doch sinnbildlich ein Denken in die Zukunft, eine Form von Samen legen, vorsorgen, über den jetzigen Tag hinaus denken. Dieses „über den Moment hinaus denken“ scheint an Kraft verloren zu haben, mindestens wenn der Blick von den Tulpen weg zu anders bedeutsamen Gegebenheiten schweift.
Der unmittelbare Gewinn oder Genuss, der schnelle Kick und die augenblickliche Wunscherfüllung sind angesagt. Einem Instant-Schnellkaffee gleich sollen Bedürfnisse erfüllt werden, ohne dass Folgen oder Nebeneffekte bedacht werden. Beispiele? Sie finden sich in allen Lebensbereichen, zu Hunderten. Hier drei zufällig ausgewählte: Denken wir an Kriege, wo „schnelle Gewinne, Terrainhoheit etc.“ erzielt werden, in dem Menschen getötet werden. Und die Verlierer? Das Leid? Die Generationen, die damit leben müssen? Ein anderes Beispiel: Die Erziehung von Kindern, schon an sich ein schwieriges Unterfangen. Da sind nicht Werte wie Mitgefühl, Toleranz oder Hilfsbereitschaft im Vordergrund, was bei einer Form von „weiter denken“ durchaus ratsam sein könnte, sondern Ellbögeln, rascheste Erfüllung von unsinnigen Konsumwünschen und Druck zur genormten Form, sprich zum Zeitgeist. (Der wenig auf menschenfreundlichen Werten fusst…). Das Einüben einer gewissen Frustrationstoleranz (=weiter denken) bei gleichzeitiger Grosszügigkeit im Schenken von Zeit und Liebe ist aus den verschiedensten Gründen vielfach nicht mehr möglich, rasches „Abfertigen“ scheint bequemer zu sein.
Ein letztes Beispiel: Einkaufen.  Auch wenn fairer Handel, Mitweltschutz und menschenfreundliche Arbeitsverhältnisse durchaus Themen sind, dürfen die Relationen nicht aus den Augen verloren werden. Es gibt keine Ausrede: JEDER Einkauf ist eine folgenprovozierende, verhältnisunterstützende Handlung (keine schönen Worte, ich weiss!). Wenn das T-Shirt fünf Franken kostet, kann davon ausgegangen werden, dass mieseste Arbeitsbedingungen für TextilarbeiterInnen unterstützt werden und davon gibt es trotz Kampagnen und Betroffenheit nach bekannt gewordenen Skandalen immer noch viel zu viele. Also! Wer wirklich will, kann sich informieren! Das geht vom Kopf bis zu den Schuhen! Weiter denken! (Übrigens: zu den Schuhen komme ich in einem der nächsten Beiträge. Es gibt da so einen Typ, den ich vorstellen möchte!). Allseits verträglicher einkaufen ist meist nicht sehr viel teurer und teuer nicht immer verträglich! Die Kopfcheckliste gehört beim Einkauf dazu: woher kommt das Produkt? Unter welchen Bedingungen wurde es hergestellt? Welche Bedingungen oder Wertehaltungen unterstütze ich beim Kauf dieses Produktes? Und: benötige ich das wirklich? Das Netz und entsprechende Organisationen bieten Entscheidungshilfen. Die schreibende Käuferin ist auch ein Mensch und weiss, dass nicht nur die Vernunft unsere Handlungen leiten… Wenn jedoch ein gewisses Mass an bewusstem Handeln da ist – oder anders gesagt, eine gewisse Impulskontrolle installiert ist, werden zu schnelle Entscheide abgebremst oder geschehen seltener. Weil eben nicht dem ersten Impuls, dem Greifen nach allen möglichen Reizen gefolgt wird, sondern weil abgewogen werden kann, was mehr oder eben weniger Sinn macht. Dann nämlich ist die Freude meist tiefer und anhaltender, weil sie über den Augenblick hinaus geht, Mitmenschen und weitergehende Folgen ins Denken miteinbezieht.

Appenzell Ausserrhoden und das Alter: (M)ein Leserinnenbrief

Ausgangspunkt meines Leserinnenbriefes in der Appenzeller Zeitung vom 8.10.14 waren zwei Beiträge in eben dieser Zeitung. Am 1.10.14 vermisste der Geschäftsleiter der Pro Senectute AR ein Altersleitbild AR und am Tag darauf erschien die (leicht erstaunte) Reaktion des Amtsleiters für Soziale Einrichtungen.

Ein Altersleitbild für AR –
weit mehr als Pflegeheimplanung!
Ein Altersleitbild für den Kanton AR müsste weit mehr sein als eine Pflegeheimplanung – zumal Zweifel erlaubt sind, ob heute gut Sechzigjährige sich dereinst in solche oft starre Einrichtungen begeben wollen. Neben den „fitten Jungpensionierten“ welche inner- und ausserfamiliär freiwillige Arbeit leisten und/oder diverse Angebote nutzen, gibt es ältere Menschen, für deren Bedürfnisse im Kanton Appenzell Ausserrhoden keine adäquaten Angebote bestehen. So fehlen Tagesstätten, in denen ältere, daheim lebende Menschen einen Tag oder mehrere verbringen können, damit die pflegenden Angehörigen Entlastung erhalten. Ältere Menschen, welche nach einem Spitalaufenthalt oder bei einer chronischen Erkrankung eine Geriatrische Tagesklinik besuchen möchten, um mittels diverser Therapien den Verbleib zuhause möglich zu machen, finden im Kanton AR kein Angebot und sind angehalten, in einen Nachbarkanton zu reisen und einen grossen Teil der Kosten selber zu tragen.

Die Gruppe der Menschen mit Demenzerkrankungen nimmt zu. V.a. für jüngere Menschen mit einer Demenzdiagnose fehlen nicht nur in unserem Kanton niederschwellige, auch „institutionsferne“  Angebote, welche ihnen möglichst lange die soziale, kulturelle und gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen und sie und ihre Angehörigen begleiten und beraten. Hier stellt sich zudem die Frage, wie Ausserrhoden die Nationale Demenzstrategie 2014-2017 des Bundes umzusetzen gedenkt.

Wie weit sich die Kapazitäten der gesunden Jungpensionierten mit Bedürfnissen von erkrankten älteren Menschen in eine hilfreiche Verbindung bringen lassen, könnte ein so genanntes Leitbild aufzeigen. Älter werden und konfrontiert sein mit vielfältigen Verlusterfahrungen zeichnet oft ein Leidbild. Es ist möglich geworden, sehr alt zu werden – haben wir Antworten auf diese auch geistig-seelischen Anforderungen? Wie bitter muss es sich anfühlen, alt geworden zu sein und nun das Gefühl haben zu müssen, „zu teuer“ oder „unrentabel“ zu sein oder gar keine Daseinsberechtigung mehr zu haben. Die gesamtgesellschaftliche Arbeit, die für den Umgang mit dieser neuen Altersrealität notwendig ist, sprengt vermutlich den Leitbildrahmen. Trotzdem soll sie angesprochen werden, auch weil über dieses Dasein hinausreichende „Troststützen“ für viele Menschen die Bedeutung verloren haben – oft nicht folgenlos.

Ein letzter Gedanke: die Schere zwischen Arm und Reich öffnet sich gerade im Altersbereich immer mehr. Die Finanzierbarkeit der Angebote, die gerechte Verteilung der vorhandenen Mittel auch zwischen den Generationen und die Frage, wie viel Geld für die Bedürfnisse älterer Menschen bereit gestellt werden soll oder kann, wird uns beschäftigen. Die Vermutung liegt nahe, dass hier kreative Lösungen vonnöten sind und dass „das Denken ab und zu die Richtung wechseln muss“.

Der Wolf oder das Böse kommt von Aussen

Es ist zum Augen reiben: der Wolf (merke: ein italienischer! – als ob für Tiere Landeszugehörigkeiten eine Relevanz hätten) ist im Appenzeller Vorderland eingetroffen. Und nicht anders als im Wallis, im Berner Oberland oder sonstwo, wird reflexartig sein Abschuss verlangt. Lassen wir mal die grundsätzliche Frage, ob es Menschen überhaupt zusteht, aus irgend einem Grund Tiere umzubringen. Rund um den Wolf scheinen vernünftige Überlegungen, kritisches Hinschauen und tatsächliche Relevanz des Schadens für Viele ein Tabu zu sein. Gänzlich unerwähnt wird zum Beispiel, dass in der Schweiz im freien Weidegang gegen 10’000 Schafe jährlich durch Verletzungen, Fehlgeburten, Absturz, Blitz- und Steinschlag, Stacheldraht, wildernde Hunde etc. ihr Leben verlieren. Doch worüber berichten die Medien? Der böse Wolf… nichts zu lesen darüber, dass sich Wildtiere (Gämsen, Steinböcke) vermutlich bei Schafen mit Krankheiten anstecken, dass Tiere oft nicht behirtet werden, der Bund im Jahre 2013 1,5 MioF ranken für Herdenschutzmassnahmen ausgegeben hat (2014 werden es 2 Mio. sein und 2015 voraussichtlich drei Millionen, Quelle: Bundesamt für Umwelt) und dass in den meisten Nachbarländern ein fortschrittlicherer Umgang bezüglich Herden- UND Grossraubtierschutz besteht. Dieser beinhaltet staatliche Vergütungen bei Rissen, vorausgesetzt, dass geschützte Herden betroffen sind. Herdenschutz erfolgt durch Zäune, Hirten und Hunde. Öffentlichkeitsarbeit und Forschung gehören ebenso dazu, Abschüsse erfolgen nur in ganz wenigen Ausnahmefällen. Es ist zu hoffen, dass die involvierten Amtsleute Ruhe bewahren und ihre in der Wolfsdebatte bereits bewanderten BerufskollegInnen in- und ausserhalb des Landes zu Rate ziehen.

 

Wendezeit, bitte!

Gute drei Jahrzehnte bewegt sich die Schreiberin auch im sozialen und pflegerischen Bereich: direkt handelnd oder schreibend. Weder die konkreten Arbeitswelten noch die darin gemachten Erfahrungen sollen Thema sein (sie würden den Rahmen dieser Notizen bei Weitem sprengen…). Ich schreibe auch nicht über scheinbar manipulierte Fallpauschalen oder die jährlichen Prämienerhöhungen. Vielmehr verstärkt sich in den letzten Jahren der Eindruck, dass dem Gesundheitswesen (damit meine ich alle Bereiche, mit denen ein sich unwohl fühlender Mensch in Kontakt kommen kann) zuviel aufgebürdet wird, bzw. dass das Gesundheitswesen auch Ersatz für andernorts Verlorenes geworden ist. Ich denke dabei an die verschiedensten Orte, die vielen heutigen Menschen scheinbar abhanden gekommen sind: soziales Eingebundensein in Familien, Nachbarschaft, Gemeinden; religiöse oder spirituelle Heimat; sinnstiftende Modelle/Deutungen für das Leben und vor allem für das Alter.
Fehlen solche Bezüge (und sie fehlen oft, dies wage ich aus meiner Erfahrung und ohne wissenschaftliche Untersuchungen zu sagen), werden sie gesucht. Weil der Mensch ein soziales Wesen ist, Sinn sucht und immer wieder auch Leid- und Verlusterfahrungen machen wird und diese „verorten“ muss.  Jung, gesund, erfolgreich und leistungsfähig, mit einem ausgeprägten Glauben an ein festes „ICH“ und einer guten Portion Selbstbewusstsein wird gestartet – im besten Falle. Früher oder später kratzt das Leben die eine oder andere Narbe und die Surrogate der verschiedensten Events „beruhigen“ selten für längere Zeit. In den glatten Oberflächen menschlichen Daseins bilden sich kleine Ritzen und ihnen entwachsen Pflanzen mit eigenartigen Namen: Zukunftsangst, Todesfurcht, Sinnkrise, Heimatlosigkeit, Alleinsein, Einsamkeit und einige mehr. Ein Glück wenn die Reflektionsfähigkeiten intakt sind und den Dingen auf den Grund gegangen werden kann – überhaupt nicht selbstverständlich und auch nicht immer leicht. Ohne diese Innenschau bleiben das Unbehagen, die existentiellen Fragen des Lebens oder die Lebensängste ein diffuses, form- und namenloses Unwohlsein, das sich in den Körper schleicht und sich hier oder dort bemerkbar macht. Als Wehweh, Zipperlein, Erkrankung oder einfach als generelles Missbehagen, Negativität, Passivität oder Lethargie. Ja: Krankheit, Verlust und Leiden gehören zum Leben – – – In meinem Arbeits- und Lebensumfeld erfahre ich, dass v.a. bei älter werdenden Menschen viele solcher Teile da sind, unverstandene, nicht einzuordnende Geschehnisse, Trauer etc. . Und was geschieht? Diese Anteile müssen mühsam unterdrückt werden, dürfen oder können nicht ans Licht; es gibt keinen Raum für die wirklich wichtigen Lebensfragen oder einen anderen Umgang mit Sterben und Tod. Weil all das nach wie vor da ist – ungelöst – bekomme ich Angst, kann nicht mehr schlafen, werde depressiv, mag nicht mehr essen oder habe diffuse, nicht behandelbare Schmerzen.  Das Gesundheitswesen bzw. ihre Exponenten sind überfordert bzw. haben weder Raum noch Möglichkeiten noch Kenntnisse, um an die Wurzel zu gelangen. Was bleibt? Sehr oft Symptombekämpfung mit unheilvollen Wechselwirkungen (Medikamente, Eingriffe, Ärztetourimus etc.)  – und der Mensch ist nach wie vor gefangen in seinen Schwierigkeiten.
Gerade weil Sinnfragen, Krankheit, Suchen nach lebenswerten Modellen, Eingebettetsein etc. zu den urmenschlichen Erfahrungen gehört, sind oder wären erklärende, sinnmachende und vor allem unterstützende Deutungen/Einordnungen so notwendig. Dabei kann es durchaus verschiedene Wege und Zugänge geben: Analogien in der Natur, philosophisch-spirituelle Erklärungen, biografisch-generationenbezogene Modelle, religiöse Begleitung, psychologische Erklärungen etc.. Weil so genannt „alte“ Rituale, Vertrauenspersonen, die Kirche als Zuflucht oder die sorgende Gemeinde/Nachbarschaft nicht mehr immer da sind, werden solche Bedürfnisse ins weite Gebiet des Gesundheitswesens getragen. Mit aus meiner Sicht unguten Entwicklungen: die suchenden Menschen sind enttäuscht; die Kosten können steigen; die darin Tätigen sind frustiert und ernüchtert, weil sie Bedürfnisse wahrnehmen und sie nicht erfüllen können – dem Gesundheitswesen wird etwas zugemutet, was es mit den heutigen Möglichkeiten nicht beantworten kann.
Wie könnte eine zukunftsfähige, hilfreiche Lösung aussehen? Vermutlich wären es Veränderungen auf verschiedenen Gebieten: edukative Aspekte, Innenweltpflege schon als Schulfach; unterstützende (nicht wertende!) Familienpolitik; verträgliche Verbindungen von Leben und Arbeit; lebendige Spiritualität, Ethik etc. UND: das Gesundheitswesen bräuchte eine Ausweitung, die den (noch) an sie herangetragenen Bedürfnissen einigermassen Rechnung tragen könnte – nebst Spitzenmedizin auch Seelenmedizin, als abrechenbare Einheit, auf dass künftige Generationen früher gesund sein dürfen, gesund an Körper, Geist und Seele.

Zuwanderung

Gestern bildeten sich nach intensivem Nachtregen schon wieder Pfützen in Teilbereichen bodenverdichteten  Kulturlandes. Wie in den vergangenen Jahren, etwa in der Mitte des wetterlaunischen Monates, begegneten mir auf dem Weg zum Stall bei einer dieser Wasserstellen zwei Rostgänse.

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(Bilder: Vogelwarte Sempach)

Durch ihre Grösse und Färbung fallen die Vögel, die eigentlich aus den Steppengebieten Asiens und Nordafrikas stammen, im hiesigen Landstrich auf. Seit mehreren Jahren sind diese Wasservögel, deren Ursprungstiere wahrscheinlich entwichene Tierpark-und Volierenexemplare waren,  hierzulande zu erfolgreichen Brutvögeln geworden. Die Elterntiere zeigen während der Brutzeit gegenüber anderen einheimischen Vogelarten in ihrem Aufenthaltsgebiet ein äusserst agressives Verhalten. Dadurch haben sich die eingewanderten Fremdlinge ohne Papiere und Asylentscheid bereits einen arg ramponierten Ruf als problematische Neozoen geschaffen. Durch den Klimawandel, schier unkontrollierbarem, weltweitem Warenverkehr und anderen global wirksamen Einflüssen, passt sich auch die Tier-  und Pflanzenwelt dem Weltenwandel an. Die Schweiz und unlängst auch die EU haben in diesem Zusammenhang millionenteure Aktions-Beobachtungs-und Massnahmenprogramme gegen „schädliche Neophyten (Pflanzen) und Neozoen (Tiere) beschlossen.
Wer im hochinteressanten, lehrreichen und zudem noch unterhaltsam zu lesenden Buch „Naturgeschichte(n)“ von Josef H.Reichholf gelesen hat, wird sich zu dieser Entwicklung allerdings eine andere überzeugende Meinung bilden können  – und die Gefiederten, inklusive Zufliegern, werden ihre Lebens-Raumentwicklung eher nach den anarchistischen Grundsätzen der Naturregeln, als nach menschen-ersonnenen Programmen und Massnahmen vorantreiben.

 

 

 

 

 

 

ARGAblog: Übergang?

Die Unabwägbarkeiten der vergangenen Monate führten zur temporären „Verwaisung“ dieser Seite – zum einen – andererseits führt eine zeitweise Instabilität oder Nichtroutine auch dazu, noch genauer zu beobachten und Verhalten zu überdenken. Fremdes und eigenes… Der Rückzug aus den gewohnten Abläufen offenbart neue Perspektiven (mit etwas Glück) und darin kann möglicherweise auch eine Chance liegen.

Bereits letztes Jahr ist mir ein Buch des holländischen Kardiologen Dr. Pim van Lommel in die Hände gekommen. Der Arzt hat über einen längeren Zeitraum Studien über Nahtoderfahrungen (NTE) durch geführt. Lommel unterscheidet lokales und nicht-lokales Bewusstsein, wobei er der Meinung ist, dass das nicht-lokale (nicht an den Körper gebundene) Bewusstsein nach dem Sterben des physischen Körpers nicht stirbt, sondern eingeht in Licht, einen steten Bewusstseinsstrom etc.  In einem Vortrag in Zürich erläuterte Dr. Lommel seine Studien und u.a. ein Fazit, dass der Tod lediglich ein Übergang sei, auch von einem Zustand des relativen Nichtwissens zum klaren Wissen. Weiter äussert er sich – aufgrund vieler übereinstimmender Berichte von Menschen, die eine NTE hatten, zu den Punkten, die im Leben wirkliche Relevanz haben.

Mehr u.a. hier:

http://www.pimvanlommel.nl/?home_deutsch