Archiv der Kategorie: Pflanzen

Knapp 1000m.ü.M. – Bestandesaufnahme in Bildern

Geduld bringt (Christ-)Rosen

Vom südlichen Frühling (davon wird noch zu lesen sein) angesteckt, war da irgendwo die Hoffnung, das lästige Weiss sei auch auf dem Lärchenhügel verschwunden. Dem war nicht so, doch Tag für Tag schmilzt der Schnee ein Stück weit weg und gibt den Blick frei auf Krokus&Co. Eine Entdeckung macht besonders Freude: eine vor Jahren gepflanzte Christrose bildete Jahr um Jahr immer grössere grüne Blätter ohne jedoch zu blühen. War es Bescheidenheit oder Resignation – die schreibende Gärtnerin arrangierte sich mit dieser Tatsache ebenso wie mit den Launen der Katze oder dem Moos im Garten. Keine Erwartungen hegen, heisst es in den dümmlichen Ratgebern, so könne Frau sich immer wieder überraschen lassen. Und siehe da: Surprise am Montag! In diesem Sinne ist der Beitragstitel irreführend, denn Geduld war nicht vonnöten, weil ich sie einfach liess, wie sie werden wollte… vom Kompost und herbstlichem Bedecken mal abgesehen. So wird auch die zweite Christrose, die noch als Topfpflanze im Haus steht, dem Garten übergeben und in Ruhe ge-lassen… „liebevolle Verwahrlosung“ sagte mal jemand auf die Frage, wie Orchideen zu pflegen seien und die blühen regelmässig:-). Sollten also aus den beiden Trieben wirkliche Helleborus-Blüten werden, folgen Bilder.

Nachtrag 30.3.15: Die Sache enwickelt sich..

Streifzug 3

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Vögel ohne Flügel

Sie sind im Kulturland des Mittellandes zu einer raren Gattung geworden. Am ehesten findet man sie noch in lichten Waldpartien, in kaum genutzten Krautstreifen, Kiesgruben oder ausgeschiedenen Schutzgebieten. Umso mehr ziehen sie unsere Blicke und Bewunderung auf sich, wenn sie ihre Pracht sozusagen am Wegrand entfalten… die einheimischen Orchideen, die alle unter strengem Schutz stehen und doch immer seltener vorkommen. Es sind heikle Gewächse, die auf die ihnen entsprechenden Standorte angewiesen sind und keinerlei Eingriffe wie mulchen, mähen oder düngen ertragen.
Das obige Exemplar trägt den fantasievollen und wohlklingenden Namen „rotes Waldvögelein“ und blüht seit Jahren im Juni in einer kleinen Gruppe an einem südwestexponierten Abhang mit lichtem Buchenaufwuchs – hoffentlich noch lange!

Eine schöner als die andere …

Die eine Blütenpracht geht ihrem diesjährigen Ende zu – jene der Päonien – die nächsten „Lieblinge“ sind daran, ihre Blütenfülle zu präsentieren. Wie so oft: frau steht in einer Gärtnerei, an einem Raritätenmarkt, im Blumenladen, der Gartenabteilung eines Einkaufszentrums und da sie es nie lassen kann, umherzustreifen und zu schauen, fällt der Blick früher oder später auf eine Blattform, eine Blütenfarbe, eine Etikette. Wäre der ARGA-Garten ein schmaler Streifen, sagen wir einsfünfzig auf drei Meter, wäre das Thema abgehakt. So wie sich die Verhältnisse präsentieren, darf immer noch die eine oder andere Pflanze einziehen. Dem ersten Überschwang folgt die gärtnerische Läuterung, sprich: frau bezieht Klima, Wintertauglichkeit (draussen!), Bodenverhältnisse, vorhandene Mitpflanzen (und die lieben Schnecken) in ihren Kaufentscheid mit ein. Die ersten zwei Vertreterinnen der Gattung „Waldrebe“ stammen aus der Zeit der Euphorie … und die Gärtnerin scheint einfach Glück gehabt zu haben. Inzwischen weiss sie, dass die Gattung der Clematis gute dreihundert Sorten kennt, Wildarten und dazu eine Vielzahl von Hybriden. Die meisten Waldreben wollen klettern, die eine höher, andere weniger. Die namenlose Schönheit vom Beitragsbild klettert einer Birke entlang, die zweite, ebenso namenlose scheint sich eher gedrungen buschig zu entwickeln. (Bitte klicken, um das Bild grösser zu machen)

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Diesen Vorsommer haben vier weitere Waldreben Einzug gehalten, Blüten erwartet die Gärtnerin frühestens nächstes Jahr – vorausgesetzt sie sind zufrieden mit den vorgefundenen Bedingungen und der ihnen zukommenden Pflege. Zu den Schönheiten ohne Namen haben sich nun eine Koreanische Waldrebe, die Anemonenwaldrebe, eine Mandelwaldrebe und die  Sibirische Alpenwaldrebe gesellt. Ausgerechnet letztere, als anspruchsloseste bezüglich Standort und Licht beschrieben, ziert sich noch ein wenig.
Die Anemonenwaldrebe hingegen strebt nach höheren Gefilden, dies nachdem sie als zerzaustes Pflänzchen einem Postpaket entnommen wurde.

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Vor nicht allzu langer Zeit war zu lesen,  dass im Kanton Bern eine Clematisgärtnerei etwa vierhundert Sorten Clematis anbietet, ganz gewiss haben die eine Bodendeckerclematis und eine Nelly Thompson, deren Farbkombination umwerfend schön ist. Die Gärtnerin reist dann mal nach Bern…

Exotisch

Zur flirrenden Hitze dieses Tages passt diese Pflanze und ihre erste Blüte: es handelt sich um das umgangssprachliche Eiskraut (Eis…Eis!), auch bekannt unter dem Namen Mittagsblume oder fachsprachlich „Mesembryanthemum crystallinum“. Die Pflanze stammt ursprünglich aus Südafrika, ist inzwischen an den Mittelmeerküsten, in Japan, Mexiko oder Kalifornien heimisch. Auf den Kanaren wurde sie früher zur Sodaherstellung verwendet, deshalb auch der Name Sodapflanze. Das Eiskraut entzieht seiner Umgebung Feuchtigkeit und kann diese in ihren Zellen einbinden und so auch längere Trockenzeiten ohne Probleme überstehen. Der Zellsaft soll positiv auf menschliche Hautverhältnisse wirken und wird deshalb in der Naturkosmetik eingesetzt.Die Pflanze kann Salze aufnehmen und abgeben, die Blätter schmecken leicht salzig-säuerlich und können verzehrt werden. Hier wird sie vermutlich eher in Ruhe wachsen, frau beobachtet sie, freut sich an ihren lieblichen Blüten und gönnt ihr den „Exotenstatus“ im vorwiegend mit einheimischen Pflanzen bestückten Garten.

Zwei weitere Besonderheiten: (klicken um die Bilder zu vergrössern)

griechischer Bergtee

griechischer Bergtee

Trotz einer gewissen Abneigung gegenüber Salbei bereichert der griechische Bergtee seit Jahren das Teesortiment. Allherbstlich erstand ich einen grösseren Sack mit dem getrockneten, stark riechenden Kraut und bis vor einiger Zeit hätte ich kaum geglaubt, dass dieses Kraut, das an trocken-heissen Hängen Griechenlands wächst, auch hier einmal wachsen und – das ist ja das Entscheide – auch überwintern könnte. Nichtsdestotrotz konnte ich es vor zwei Jahren nicht lassen, ein solches Pflänzchen zu erstehen und ins Kräuterbeet zu setzen. Das Pflänzchen wuchs nur zögerlich, schien zu serbeln, sich ganz zurückzuziehen, erlebte Schnee (viel!), Kälte (bis minus 15 Grad) – und nun, in diesem Frühling, der bereits in einen Sommer zu münden scheint, in diesem Frühling also spriesst es, hat scheinbar unterirdische Ausläufer gebildet und schaut an einer zweiten Stelle aus dem Boden. Nun sieht es aus, als wolle es gar blühen… eines Tages werde ich zwei drei Blättchen zupfen, Tee zubereiten und von Griechenland träumen… und zwischendurch noch vom Vorrat nehmen, den mir die liebenswürdige griechische Bäuerin geschenkt hat.

Und die Dritten im „exotischen“ Bund: die Seerosen – nicht der Pflanze wegen, sondern weil erstmals vier Blüten auf einmal blühen… 🙂

Seerosen mal vier

Seerosen mal vier

Päonien – die Hauptgeschichte

Schneller als erwartet, schneller als alle andern und weit vor Pfingsten hat sie sich entrollt, ihre vielen Schichten sichtbar gemacht, die hauchzarten Blütenblätter der Sonne zugewandt. Den Duft, der dieser Blüte entströmt, kann ich hier nicht riechbar machen und das ist gut so. Sie ist die Hauptdarstellerin und dass sie nach all den Jahren ohne Blüte nun in dieser Farbintensität und mit betörendem Duft den ARGA-Garten schmückt, freut mein grünes Herz! Möge sie sich an ihrem Platz sehr lange wohlfühlen!

Päonien – die Vorgeschichte(n)

Das Mädchen am Fusse der Wilket (hier ist sie, sogar das Geburtshaus wäre auszumachen und drum vielleicht verständlich, das es, das Kind, der grünen Welt zugetan, ohne Parteibuch und dergleichen), also dieses Kind

Die Wilket

Die Wilket

mochte zwei Blumen besonders: einerseits die bunten Löwenmäulchen, mit denen sich bestens spielen liess und dann die üppige, schwere, sinnliche Päonie oder wie sie meist genannt wird: die Pfingstrose. Ich erinnere mich genau, wo die Staude stand. Und ebenso genau erinnere ich mich an die prallen Blütenkugeln, die ihre vielen Schichten fast immer weit nach Pfingsten öffneten. Was für ein Schauspiel in Rot! Ein so sattes, warmes, dichtes Dunkelrot, schwere, dicht gefüllte Blütenköpfe und gleichzeitig die seiden-zarte Feinheit der einzelnen Blütenblätter. Ich mochte die Farbe, das jährliche Wiederkehren, den Kontrast der dunkelgrünen Blätter zur roten Blüte. Ganz sicher hätte ich all das damals am Fusse der Wilket nicht sagen können, heute weiss ich es und auch, dass ich die Päonien ein paar Jahre aus den Augen verloren habe.

Es müssen bald zwanzig Jahre vergangen sein. Ich sah die Pflanze bei einem Grossverteiler (ja, so war es!). Eine Pfingstrose! Da kein Garten in Sicht war, pflanzte ich sie in einen Topf, ich wusste es nicht besser. Da stand sie, bildete jeden Frühsommer gesunde, schöne Blätter, deren Ränder eine braunrote Betonung aufwiesen und die Terrasse mitbegrünten. Doch eine Blüte erschien nie. Anfangs äugte ich jedes Frühjahr, ob sich da irgendwo eine pralle Kugel verstecke, doch nie war auch nur ein Ansatz zu sehen. Die Jahre vergingen, manchmal dachte ich, dass möglicherweise beim Verkauf das Namensschild der Pflanze vertauscht worden sei und diese meine Päonie eben gar keine sei sondern irgend eine Staude mit schönen Blättern. Auch gut! Sie kam mit, wohin ich zog. Auch beim bisher letzten Umzug war sie dabei. Stand noch ein Jahr im Topf, bis ich mit Erfolg andere Pfingstrosen pflanzte und mich an ihr „Schicksal“ erinnerte. Sie bekam, was ihr zusteht: einen Platz in der Erde, einen der gross genug ist und einer, an dem sie lange wird bleiben dürfen. Letztes Jahr im Frühjahr: nur Blätter! Das geschieht auch bei anderen, neu gepflanzten Pfingstrosen, ich gab die Hoffnung nicht auf und versorgte sie ihren Ansprüchen gemäss.
Dieses Frühjahr: drei Blütenkugeln! Nach etwa zwanzig Jahren! Sieht aus, als wäre sie eine der ersten, die ihre Blüten zeigen will. Sie macht mich dankbar, diese „meine erste“ Päonie. Und ich weiss nicht, ob es die Pfingstrose meiner Kindheit noch gibt…

Die Hauptgeschichte folgt!

ARGA’s Grüne und ein Irrläufer