Archiv der Kategorie: Unterwegs

Kopfreise

Bedrückend und schön, fast tägliche Realität: Ungeahnte Welten entdecken (Musik, meistens; Bücher, Bilder, Künstler; Seelenverwandte, zu selten, leider…), zufallend, weil die Schreiberin vor dem Gang ins Stadtbüro ins nahe Café geht, die Kulturseiten samt Espresso geniesst und irgendwo, ganz klein, findet sich ein Hinweis, sie liest ihn, „In My Solitude“ – solitudine – es gibt Worte, die haben eine ganz eigene Magie, Melancholie wäre so oder mäandern oder Meerhaut oder … der Hinweis auf ein Konzert mit Branford Marsalis, notiert, gehört, fortgetragen – noch einmal ein Mintdrink im Ritablue – und DIESE Musik… in Barcelona…

 

Nordwärts Teil 3: Bruchstücke aus Schweden

Kunst, Wasser und Wald fallen der Reisenden als spontane Oberbegriffe für den dritten und abschliessenden Teil dieser Nordwärts-Trilogie ein. Sie bleiben auch nach einigen Minuten, nein Wochen! Nachdenken wesentlich und bedeutsam – dass dabei ein meteorologischer Traumsommer Einfluss hat, zeigen die Bilder. Andersrum wären vermutlich Wasser und Wald etwas in den Hintergrund gerückt, dafür wäre es die eine oder andere Ausstellung mehr geworden, vielleicht wäre mal ein tolles Hotel zur Sprache gekommen oder eine vertiefte Innenansicht eines Gebäudes.
Über die Öresund-Brücke (Verbeugung vor der Ingenieurs- und Baucrew!) sind die Wildcamper nach Schweden gekommen. Weil vorgängig festgelegt war, dass „weilen wo es passt“ vor hektischem Abklappern vermeintlicher Sehenswürdigkeiten kommt, öffnete sich ein weites, grosses Feld bzw. Land und Landschaft. Es mag Gründe und Orte geben, wo organisierte Reisen ihre Berechtigung haben, für die Reisenden wären sie zum jetzigen Zeitpunkt nicht praktikabel. So gestalteten sich viele Reisetage vorerst als unbeschriebene Blätter, mit mitreisender Schlafgelegenheit und einem Essensvorrat für die nächsten 3 Tage. Wald, Wald, Wald, Seen und Seen die eigentlich Flüsse sind, das Meer und ja sicher! ein Elch am Strassenrand, der einzige auf der langen Reise.
Die abseits wohnenden Reisenden werden hierzulande immer wieder auf ihre für viele eigentümliche Wohnlage angesprochen: ob man ganzjährig hier wohne, wie man da denn einkaufe und vor allem, ob frau denn keine Angst habe, durch den Wald und so abseits und so weiter und so fort. Nun also, die besorgten Frager sollten mal nach Schweden: es gibt natürlich Dörfer und Städtchen, doch sehr viele Menschen wohnen in gerodeten Lichtungen im WALD! Die typisch roten Häuschen stehen da und was vielleicht alle eint, ist der stets perfekt geschnittene Rasen rund um diese Häuser. Die Fahrenden sahen an keinem einzigen Ort einen nicht perfekt geschnittenen Rasen. Vor gut zwanzig Jahren ausgewanderte Schweizer, denen die Reisenden einen Besuch abstatteten, wussten, dass das der perfekte Rasen unabdingbar ist. Um nicht gegen eine ungeschriebene, aber unumstössliche Regel zu verstossen, fahren Enkel samt Rasenmäher zum Haus der gerade erkrankten oder auslandabwesenden Grossmutter.

Abgesehen vom Sein und Leben in der Natur gab es Zwischenhalte, wie hier in Bergdala, einer der verbliebenen Glasbläsereien in einer Region, in der dieses Handwerk einst sehr verbreitet war. Dass aus Sand letztlich Glas wird – ein erstaunlicher und spannender Vorgang.

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Nicht immer ganz einfach gestaltete sich die Suche nach „wilden“ Stellplätzen – das mag durchaus mit der Erwartungshaltung der Reisenden zu tun haben (Waldlichtung, Seezugang, Beerenvorrat, keine Häuser…). Mit etwas Effort und kleineren Abstrichen gelang es fast immer, „gut“ zu übernachten. Wobei zu sagen ist, dass die Fahrenden in Kopenhagen und in Stockholm auf einem stadtnahen Campingplatz waren (ca. 10 km ausserhalb der Stadt) und dann jeweils per Velo in die Städte fuhren. Über Campingplätze und die dort zu beobachtenden Phänomene wäre ein seeehr langer Beitrag zu schreiben.
Der Idealplatz der Reisenden sieht etwa so aus:

Unweigerlich kommt die Frage nach den Mücken. Eine Woche vor Reiseantritt schluckte die von den Mücken geliebte Schreiberin homöopathische Chügeli (verändern die Körperausdünstungen… hmmm….), dann kam Spray forte mit und Mückengitter. Was traf frau an: ja, es gibt Mücken. Bevorzugt beim Eindunkeln und auffliegend, wenn frau durchs Heidelbeerpolster schlurft. Insgesamt waren im Norden aber nicht mehr deftige Mückenstichstellen zu erdulden als einem Schweizer Open-Air oder in Süditalien.

Bei aller Verbundenheit mit der Natur bestätigte diese Reise gewisse Vorahnungen (mindestens für die weibliche Hälfte des Reiseduos): Die Topografie im Landesinnern ist geprägt durch Wald und Wasser und wird mit der Zeit auch eintönig, mindestens wenn sie mit der spannungsreichen CH-Landschaft verglichen wird. Das ändert in Küstennähe und stimmt nicht für den südlicheren Teil Schwedens, wo eine etwas hügeligere Landschaft vorherrscht. Fast bedrückend wirkt sich (für die Schreibende) die Tatsache aus, dass kaum eine Erhöhung einen minimalen Überblick ermöglicht. Gut, sie ist appenzellerhügelgeprägt – soviel müsste es gar nicht sein, doch ab und zu den Blick „übers Land“ schweifen lassen, hat schon eine hohe Qualität. DAS war selten möglich und erzeugte dann und wann ein Gefühl von „in der Landschaft ersticken“. Wie es oberhalb von Uppsala aussieht, kann nicht beurteilt werden, die verschlafene Universitätsstadt war der nördlichste Punkt dieser Reise.

Stockholm – zwischen Mälarsee und Ostsee auf 14 Inseln liegend, bietet unendlich viele Sehenswürdigkeiten und hat ganz viel „Südliches“. Wie bereits in Kopenhagen waren die Reisenden auch hier ausschliesslich mit dem Velo unterwegs, was in diesen velofreundlichen Städten pure Freude ist und weit weniger müde macht als das Unterwegssein zu Fuss, in Bus oder Metro. (Vom Gegenwind mal abgesehen…). In solchen Momenten wünscht frau sich das Appenzellerland flacher ;-). Oder evaluiert die Anschaffung eines E-Bikes.

Eine Fotostrecke möge einen kleinen Einblick geben in die Tage in der nordischen Metropole, in der gleich wie in Kopenhagen Architektur und Kunst am meisten Platz bekamen. Damit wird die Nordtrilogie abgeschlossen – sie muss zeitgeschuldet fragmentarisch bleiben und kann verschiedenste „Brennpunkte“ nicht ausführen – wir hatten die sehr geschätzte Gelegenheit, bei einem Schweizer Paar, welches seit langem in Schweden lebt, unsere Beobachtungen zu diskutieren. Ein eindrücklicher und aufschlussreicher Reiseabschluss!

 

Begegnungen

Ein paar Stunden mehr frei, eine spontane Einladung und ein minimaler aber doch mutmachender Zuwachs an Energie gebiert ein facettenreiches Wochenendprogramm:

Wiedersehensfreude, Seefarben die eine Handykamera nur rudimentär wiedergibt; Kunst, die beflügelt, bedrückt, begeistert; eine Begegnung mit einem Fremden in der Bundeshauptstadt und gleichenorts Ohrenzuhalten beim Aufmarsch der Demonstranten (bewusst die männliche Form gewählt) und beim Marsch heimwärts ein ganz besonderer Abendhimmel.

Das Bild zum See ist oben – Nebel, Kälte und die Farben liessen den Brienzersee und seine Umgebung geheimnisvoll mystisch, kühl und unnahbar wirken – rege Begeisterung bei der Panoramaliebhaberin.
Ueber Bäume „About Trees“ heisst die aktuelle Ausstellung im Paul Klee Zentrum in Bern, namhafte Künstlerinnen und Künstler stellen aus, die Schauende stand unter der glücksbringenden und schutzgewährenden Birke und wanderte von Abteil zu Abteil – lohnenswert – fast jedes Werk hätte Vertiefung und Erwähnung verdient – zwei bzw. drei bleiben in besonderer Erinnerung:

Peter Doig, der Maler, mit dem die Reisenden in Kopenhagen Bekanntschaft machten – leider einseitig, aber man wäre wohl in jedem anderen Falle sprachlos gewesen, von ihm gibt es in Bern zwei Bilder, eines davon ist dieses:

033Bitter, dass frau seine Ausstellung in Basel verpasst hat…

Mehr als betroffen macht das Werk der Künstlerin Berlinde De Bruyckere, die einen vom Wind gefällten Baum bearbeitet und mit einer wächsernen Schicht überzogen hat. Das Werk weckt Assoziationen an abgesägte Körperteile, ein Schlachttier, Verletzungen, Blut, an Lappen die um Wunden gelegt wurden, Krieg – und an einen schutz- und wurzellosen Baum der er ist. Bei der Betrachtenden wurden auch Erinnerungen wach an Werke von Louise Bourgeois. Schwer, den Blick nicht abzuwenden und ebenso schwer, ihn abzuwenden… Nachhaltigkeit garantiert!
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Das Ausstellungsplakat von „About Trees“ zeigt ein Videostill aus der Arbeit von Shirin Neshat. Inspiriert von einer Saga über Tooba, den heiligen Baum, verbindet diese Videoarbeit Gedanken zum symbolischen Stellenwert des Gartens in den mystischen Traditionen Persiens und Assoziationen zu kollektiven Ängsten, Verletzlichkeit und Macht. Wem welche Attribute zukommen, bleibt offen. Archaische, starke Bilder.

031In der Absicht, sich einer Berner Buchhandlung einen Überblick zu verschaffen (das ist seit dem Leselernalter gleich geblieben: irgendwo vorgestellte Bücher, Rezensionen etc. haken sich in den entsprechenden Hirnwindungen fest… kürzlich fielen der schreibenden Leserin die SJW-Hefte ein und dass sie davon als Schulkind frei bestellen durfte wie überhaupt der Lesestoff im Elternhaus nie fehlte: viele Bücher, zwei Tageszeitungen und mehrere Wochenblätter, Hefte und Magazine kamen regelmässig ins Haus…)
Also: so unterwegs begegnete der Buchliebhaberin ein Mann bzw. ein vollbepacktes Velo samt Mann. Dass soviel auf einem einzigen Fahrrad Platz finden kann, erschien ihr als kleines Wunder und ihr Blick ging vom Fahrrad zum Mann und vom Mann zum Fahrrad – vermutlich genau so lange, dass der Mann Mut fasste und seinen beladenen Drahtesel Richtung Frau steuerte. Hinten am Fahrrad baumelte zwischen Länderflaggen eine kleine Pfanne, eine Tasse, darunter ein Zelt samt Schlafsack. Sie sprach zuerst. Das sehe nach längerer Reise aus, sagte sie und er: ja, seit dem Frühling sei er unterwegs, durch die nordischen Länder und jetzt sei er hier und es sei kalt geworden. Nein, keine Vergnügungsreise – die Frau sah, dass er mehrere Kleider übereinander trug und wohl keine weiteren bei sich hatte – er sei aus Rumänien und habe sich aufgemacht, um Arbeit zu suchen um seine Frau und seine drei Kinder zu ernähren. Mittlerweile sprechen Mann und Frau italienisch, ob sie ihm nicht eine Arbeit geben könne, fragt er, damit er noch ein paar Franken mitnehmen könne, er wolle zurück und könne nicht mehr draussen schlafen.Im Café erzählt er  aus seinem Leben – trist, schwer, ohne Perspektive und wie die Beiden da sitzen in diesem Berner Café befällt die Frau Scham – nicht wegen ihm, dem Mann der auffällt in diesen eleganten Räumen, nein die schön-polierte Oberfläche von Gästen und Raum sind es, der Schaum auf dem Café, das Gefälle, das in diesem Moment so sichtbar ist, getrennt durch den Tisch zwischen den Beiden. Arbeit hat sie keine zu vergeben. Das Büchergeld reist mit ihm.

Zurück im Osten warten Alletage und Arbeit: statt das Fehlende zu beklagen sei das Vorhandene zu würdigen: für den gestrigen Montag ist das dieser Abendhimmel, der die Hügelfrau auf ihrem Heimweg begleitet. Und Dankbarkeit für alle Begegnungen …

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Das Geschenk am Stadtrand

Nordreisend machten die Schreibenden auch in der schwedischen Metropole Halt. Die Stadt, die  auf 14 Inseln im Schärengarten vor der Ostsee  gewachsen ist, lässt sich nicht so einfach überschauen.  Der alter Stadtkern (Gamla Stan) und das angrenzende Fährhafengelände sind der einfacher zu erkundende Teil. Viel Interessantes liegt um dieses „Zentrum“ auf den umliegenden Inseln, verbunden mit unzähligen Wasserwegen und Brücken. Landratten wie unsereiner müssen da zuerst mit all den Kanälen zurechtkommen. Zum letzten Aufenthaltstag lockte ein Besuch auf die Insel Lidingö, dort, so versprach ein kleiner Eintrag im Reiseführer, befinde sich der öffentlich zugängliche Garten eines bekannten schwedischen Bildhauers   –  Millesgården.  Das Wetter zeigt sich für einen Gartenbesuch von der allerbesten Seite und die Reisenden finden sich erwartungsvoll und zeitig  – vor Pfortenöffnung – an der Adresse inmitten eines Wohnquartieres ein.

Was der Herr, der um 10 Uhr die Tore zum Garten offnet, für die BesucherInnen zugänglich macht, ist mehr als eine Ueberraschung und rechtfertigt allein eine Nordreise. Anfangs ungläubig in die Morgensonne blinzelnd, betreten die Gartengäste durch ein niedriges einfaches Empfangsgebäude eine Garten – Skulpturen Anlage von betörender Schönheit . Der auf verschiedenen Ebenen angelegte  Garten mit den darin eingebetteten und installierten Skulpturen ergreift die Besuchenden nicht bloss auf der visuellen Ebene. Man taucht ein, und das Getriebe der Stadt ist weit weg – auf Kieswegen über Treppen und Terrrassen, vorbei an teils riesigen wasserspeienden Figuren, ästhetisch anspruchsvollst gestalteten Wasserbecken oder zierlichen, scheinbar im blauen Himmel hängenden Tänzerinnen und Posaunen spielenden Engeln. Man erkundet das Reich des des Künstlerpaares Carl und Olga Milles, die an eben diesem Ort gelebt und gearbeitet haben und dieses einzigartige Kleinod am Stadtrand der Nachwelt hinterlassen haben. Erhöht, mit Blick über Garten und Stadt, stehen vom Architekten Karl Bengtsson entworfen das grosszügige Wohnhaus und Atelier des Paares. Die Räumlichkeiten sind dem interessierten Besucher ebenfalls zugänglich und eröffnen Einblicke in die persönlicheren Vorlieben der einst hier Lebenden. Die Affinität zum mediterranen Kulturraum mit entsprechenden Farben, Formen und lichter Raumgestaltung verleitet dazu, sich viel weiter südlich zu wähnen.  Inmitten der Anlage lädt ein Bistro zu Speis und Trank ein und man möchte einfach in diesem Garten bleiben – den ganzen Tag…………….

 

 

 

Wie wenn frau es nicht sowieso schon wüsste…

… dass auch der längste Sommer irgendwann vorbei ist, endgültig vorbei, ja dann wäre das hier die finale Bestätigung. Gefunden ein paar Schritte vor dem Eingang zum Stadtarbeitsplatz. Die Kippen, das sei gesagt, stammen nicht von der arbeitenden Schreiberin, in den Schuhen hingegen (Waldviertel, was sonst) stecken die Füsse einer Frau, die sich an die Wärme träumt …

Einschub

Ein Mikroeinschub, bevor die Nordreise mit Teil drei ihrem Ende zugeführt werden soll. Falls die Leserin oder der Leser Herbstferien geniessen dürfen und gedenken, diese in der Schweiz zu verbringen, wäre dieser Ort einen Besuch wert. Sie liegt ja nicht grad vor der Haustüre – die Westschweiz – ein leicht in die Länge gezogenes Wochenende oder eben einige Ferientage dürfen es schon sein. Initial war da der Auftakt zur Vacherin-Mont-d’or Saison, alljährlich begangen in Le Charbonnières im Jura. Während diese besondere Käsespezialität von verschiedenen Produzenten oder Affineuren zum Kauf angeboten wird, wird auf der Dorfstrasse eine Art Alpabzug zelebriert, wobei die im Appenzellerland lebende Beobachterin nicht umhin kommt, schon fast wehmütig an „unsere“ Alpabfahrten zu denken. Nun ja. Es gibt halt diese und solche. Der Käse ist gekauft, während der Tee am Vortag noch draussen und wenige Meter vom Lac de Joux entfernt getrunken wurde, trieb die samstägliche Bise die Käsefreaks ins Festzelt, Museum oder zum Café mit. Wie mann/frau vor 12 Uhr und schlotternd Weisswein trinken kann, wird der Klammfingerschreiberin genau so ein Rätsel bleiben wie die Frage, wie man auf nüchternen Magen das ominöse Energiegetränk in der silberblauben Dose trinken und dazu eine Zigarette rauchen kann.
Den Käse, bzw. die Käse – etwas Vorrat sollte sein – an einem kühlen Ort versorgt, lockt das nahe Aubonne mit seinem Arboretum. Seit langem auf der Liste der zu besuchenden Orte zeigt sich rasch, dass ein Besuch niemals ausreichen kann und dass vom Frühling bis in den Spätherbst ein wechselndes Schauspiel an Farben, Blüten, Früchten und Silhouetten zu bewundern ist. Ein ganzes Tal ist in diverse Bereiche unterteilt, so stehen da einige araucarias, andernorts Linden aller Art, Hagebutte, Apfelbäume (nur schon die Sortennamen zu lesen ist Ohrmusik), alle möglichen Nadelbäume, Hortensien (die geliebten) und und und.

Ein Minieinblick:

Arboretum und Lac du Joux 088Arboretum und Lac du Joux 081Arboretum und Lac du Joux 086Arboretum und Lac du Joux 075Arboretum und Lac du Joux 096Arboretum und Lac du Joux 089Arboretum und Lac du Joux 094Arboretum und Lac du Joux 083Arboretum und Lac du Joux 095Arboretum und Lac du Joux 096

Nordwärts Teil 2: Kopenhagen

War das schön! Wunderbar! Geht nach Kopenhagen, wenn ihr eine Städtereise machen wollt. Vorausgesetzt, ihr fährt Velo und möchtet mal so richtig im Velostrom mitradeln, weiter schätzt ihr gutes und gesundes Essen, alte und neue Architektur; Museen, die es in sich und ausser sich haben (die Kunst!); relaxte und gesund wirkende Menschen (im Sinne von weder übergewichtig noch klapperdünn); immer wieder die Nähe zum Wasser undsoweiterundsofort.

Die schreibende Velofahrerin vermisst das Velofeeling (18 bzw. 24%-Steigung/Gefälle, um auf „meinen“ Hügel zu kommen und absolute Unlust, verschwitzt irgendwo aufzutauchen laufen lustdiametral). Auf der Vermissten- oder besser auf der Wenigstenseinmalgesehenliste stehen u.v.a  das Café des Louisiana und die phänomenale Lage dieser Ausstellungsräume, das Operahuset, (siehe Beitragsbild), die Königliche Bibliothek,  das Konzerthaus (es nachts kobaltblau beleuchtet zu sehen, haben die Reisenden verpasst) und das Skuespilhuset, Nyhavn, Arken oder IRMA.

Anstelle vieler Worte einige Bilder:

The Standard (Café, Jazz)

The Standard (Café, Jazz)

Hafenimpression

Hafenimpression

Peter Doig

Peter Doig

Peter Doig

Peter Doig

Peter Doig

Peter Doig

Eine der Ausstellungen im Louisiana

Eine der Ausstellungen im Louisiana

Bild mit Fotografin

Bild mit Fotografin

Vom Lousiana aus gesehen

Vom Lousiana aus gesehen

Moore am Meer

Moore am Meer

Königliche Bibliothek (alter Bau)

Königliche Bibliothek (alter Bau)

Eingang Louisiana

Eingang Louisiana

Louisiana

Louisiana

Aussenraum Louisiana

Aussenraum Louisiana

Café Louisiana

Café Louisiana

Louisiana

Louisiana

Inderhavnen

Inderhavnen

Inderhavnen

Inderhavnen

Black Diamant

Black Diamant

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Dansk Architektur Center

Danks Architektur Center

Dansk Architektur Center

Am Weg zum Opernhaus

Am Weg zum Opernhaus

Andere Zeiten

Andere Zeiten

Nyhavn

Nyhavn

Schauspielhaus

Schauspielhaus

Königliche Bibliothek

Königliche Bibliothek

Viel Spannendes gesehen, noch viel viel mehr NICHT gesehen… eine Ahnung immerhin und das noch: die Reisenden nutzten auch den innerstädtischen öV. Wenn sie dann mal ein Ticket hatten. Was einem sowohl in Schweden als auch in Dänemark nicht ganz einfach gemacht wird. Ein an sich schon nicht ganz unkompliziertes Ticketsystem auf dänisch hat seine Tücken, keine Übersetzungen in die englische Sprache, entweder frau/man lernt rasch dänisch oder fährt schwarz. Die Reisenden fuhren nicht schwarz. Punkt. Geld wird im Norden, v.a. in den städtischen Gebieten am allerallerliebsten via Kreditkarte entgegen genommen, auch für Kleinstbeträge. Schon Zehnjährige bezahlen ihre Krämereien am Kiosk mit einer Kreditkarte – ungewohnt und vermutlich Zukunft.

Die Reise geht weiter…

Nordwärts Teil 1: Vom Brot, Touristen und der Heide

Die Reisenden sind zur Basisstation zurück gekehrt. Auch Südmenschen fahren mal nordwärts ebenso wie die dem Element Erde Zugetane sich auch mal ins Wasser wagt. Zögerlich. Die nomadische Art des Reisens im VW-Bus eröffnet Freiheiten und Sichten, fordert Vorbereitung, ab und zu Geduld und schiebt einem vermutlich näher an Land, Menschen, Fauna und Flora. Statt kontinentalem Frühstück im Hotelbauch Müesli mit selbstgesuchten Beeren am See; Einkaufen in Läden, in denen die Produkte schwedisch und nur schwedisch angeschrieben sind und ein Himmel der sechzehn (16!) Tage blau und fast wolkenlos ist.
Die Wege sind weit, umso mehr wollen sie eingeteilt sein in verträgliche Etappen, verbunden mit Orten, Menschen oder einfachem Sein. Hier wird keine lückenlose Auflistung entstehen, mehr ein punktueller Rückblick auf einzelne Momente, der knappen Zeit geschuldet vermutlich oft mehr bild- statt wortlastig.
Wiederkehrende BlogbesucherInnen wissen es: Brot ist der Schreibenden wichtig, so wichtig, dass sie ihre eigenen Sauerteige züchtet um damit Brote aus gutem Getreide (u.a. von hier) und mit sehr langsamer Teigführung zu backen. Vor ihrer Abreise hat die Bäckerin ihre Freunde kaltgestellt, was übersetzt bedeutet, dass ihre Sauerteige je zur Hälfte getrocknet bzw. tiefgefroren wurden, um nach der Rückkehr ins aktive Hefeleben zurück zu kehren. Im Norden gibt es auch Brot. Sicher. Wirklich gutes Brot ist eher selten zu bekommen. Dann und wann findet sich eine Brotmanufaktur. Kleine Auswahl, Baguettes, Brötchen, grosse Roggenlaibe, Zimt-Kardamomschnecken – das reicht und ist dann meist auch gut. Weil die Brotnot drohte, weil die Schreibende den Bäcker über gemeinsame Bekannte vage kannte und weil seine Brot-Philosophie mehr als anspricht, war ein Blitzbesuch bei Arnd Erbel, dem Freibäcker in der Nähe von Nürnberg gewidmet. Ein Blick in die Backstube, ein paar Sätze und eine geschenkte, noch namenlose Brotkreation, die sich zu den bereits im Laden erstandenen Vorräten gesellte und die wie alle anderen Freibäckereien Gaumen, Magen und Bäckerinnenherz beglückten.

 

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So ausgestattet (logo: die Brote statt Verpackung zu zeigen wäre sinniger. Die wunderbaren Brote sind jedoch nur in Union mit den Reisenden zu sehen und diese lassen wir mal beiseite…) wurde der erste Rastplatz bzw. Waldrand gefunden. Nach einer Fahrt durch äusserst trockene Gegenden Deutschlands – ältere Einheimische erinnern sich nicht an solch trockene Sommer – vorbei an riesigen Maisfeldern, ab und zu Getreide, alles ingesamt im Vergleich zur Schweiz sehr grosse Betriebe (die Fahrenden werden sich weiter nördlich noch wundern…). Grosse Hallen, in denen wir aufgrund der Umgebung und des Geruchs Schweine vermuten: nach der Reise und eingehender Beobachtung von Essgewohnheiten muss leider davon ausgegangen werden, dass dem so ist.

Die Lüneburger Heide, wieder einmal ein Ort, dessen Klang lockt – abgesehen von der „touristischen Schlagseite*“ durchaus lohnenswert – zumal das Heidekraut zwischen Mitte August und September blüht und das betrachtende Auge erfreut. Wissbegierige erfahren hier mehr zur Heide. Von Niederhavebeck aus radelten die Reisenden auf den höchsten Berg (ui… Berg…??) in der Lüneburger Heide, den Wilsederberg, 169 m.ü.M.  Neuland und lohnenswert, der blaue Himmel entspannte sich erst in Kopenhagen vollends.

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* Eine Zwischenbemerkung: Es ist ein eigenartiges Phänomen, dass sich Reisende durch andere Reisende gestört fühlen. „Es hatte keine Touristen“ als Aussage von Touristen ist mehr als fragwürdig, als was bitte betrachten sich diese Menschen? Als besondere Spezies, die sich vom Gros der Reisenden irgendwie abhebt und historischen Entdeckern gleich (gab es eigentlich Entdeckerinnen? Das wüsste die Schreibende schon lange gerne!) als erste und einzige einen Ort betreten? Jede und jeder, der in gleicher Absicht unterwegs ist, ist ein pfui! Tourist und stört? Wie weit dieses Verhalten ein CH-typisches ist, kann nicht gesagt werden, ebenfalls nicht, ob es sich um ein Unter-, Mittel-, oder Oberschichtenproblem handelt, wobei die Reisenden in ihrer soziologisch nicht einzuordnenden Schichtzugehörigkeit kaum in Kontakt kommen mit der Creme de la Creme. O.k., frau schrieb von touristischer Schlagseite. Gemeint sind die Shops mit den unsäglich hässlichen Souvenirs (hergestellt in Fernost), die nicht minder unschönen Cafés mit Touristenmenü (iss schnell und mach rasch Platz), entsprechende Qualität (als ob alle Reisenden zu einem möglichst günstigen Preise möglichst viel in ihren Schlund stopfen möchten!) und über allem eine erschöpfende, müde und graue Lieblosigkeit. Regionale Produkte in stimmig-authentischem Ambiente, es kommt vor, leider viel zu selten.

Wald, Wälder – Harz, Lüneburger Heide, Thüringer Wald – sollten erst ein Vorgeschmack sein zu dem, was sich den Reisenden diesbezüglich in Schweden zeigte… jetzt erstmal:

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In Puttgarden steht die Autofähre bereit und bringt Vehikel und Insassen nach Rodby (Dänemark). Wildcamper können unvernünftig sein und einem Wortklang auf einem Strassenschild folgen. Der Fjord entpuppte sich als dicht bebautes Gebiet, die Bauminsel, die sich später und anderswo zeigte, war ganz passabel als Nachtlagerort. Frühmorgens Weiterfahrt nach Kopenhagen, dort und später in Stockholm blieben Moritz und Crew VW-Bus und Besatzung auf einem Campingplatz ausserhalb der Stadt. Die zehn Kilometer ins Stadtzentrum waren Velozeit: eines der freudigsten Erlebnisse auf dieser Reise: Den langen Roskildevej entlang nach Kopenhagen sausen und v.a. innerhalb der Stadt völlig frei per Velo an jeden Ort radeln können… ruft nach mehr!

Die Biofreaks freuts: der knurrende Magen kann auch in Kopenhagen besänftigt werden:

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Fortsetzung folgt.

BernBalkan

Der Ausflug hätte sich auch des Panorama wegens gelohnt, abgesehen vom Meniskusberg Niesen. Sogar alpsteinverwöhnte Ostschweizerinnen kleben (visuell) an den Bergketten des Oberlandes. Wobei der in Geografiebelangen vergesslichen Schreiberin grad noch die Namen des weltbekannten Bergtrios und der eine oder andere Spitz und Zack in den Hirnwindungen hängen bleibt. Schmach – wenn der Mitwanderer die Vorhügel und Ausläufer, Zu- und Abstiege, Reihe eins zwei und drei, vorgelagerte und von dieser Warte aus grad nicht sichtbare Höger* benennen kann und das eben nicht nur dort, was ja noch nachvollziehbar sein könnte sondern bald schon so versiert HIER, im Alpstein… Nun, die Geografievergessliche wirft Anderes in die Waagschale und sorgt für eine gewisse Ausgeglichenheit… doch darüber will die musikhörende Schreiberin nicht schreiben, sondern einen Minieinblick gewähren bzw. eine Band vorstellen, die an einem winzig kleinen Open-Air im besagten Oberland aufspielte und zwar so, dass wohl Keine&Keiner unbeweglich stehen blieb und jeder Gschtabi** konstatierte, dass er oder sie Beine hat, einen Leib gar und dass der sich bewegt zu den Rhythmen dieser Band:

Der Nachtrag, bevor der Name wieder irgendwo in eine Ritze fällt: Das Beitragsbild wurde auf der Ramslauenen aufgenommen…

*   Höger: Anhöhe
** gschtabig: steif, ungelenk

Der Friedhof im Osten

Es mag seltsam anmuten: Friedhof mitten im Sommer – und doch liegt der Spaziergängerin daran, diesen so friedlich anmutenden Ort zu erwähnen. Dass es ihn gibt, den Ostfriedhof in St.Gallen, wusste sie längst, nur war sie bis vor wenigen Wochen noch nie dort. Es fiel ihr zu, in dessen Nähe unterwegs zu sein und Tage später war Zeit, ein paar Stunden dort zu weilen. Die Anlage ist von einer so un-st.gallischen Grosszügigkeit, welche die Besucherin mit Staunen zur Kenntnis nahm. In der Weite dieses friedlichen Parkes mit alten Bäumen, Wasser und Wegen wird Ruhe erfahrbar. Die Grabfelder sind gruppiert, an den Grabsteinen oder Grabsymbolen lässt sich nicht nur die vergangene Zeit ablesen, mehr und mehr zeigen sich hier individuelle Ausprägungen die über den Tod hinaus sichtbar bleiben sollen. Anders als in vielen andern Ruhestätten gelingt es hier, diese Individualität einzubinden in einen Grundgedanken, jenen eines würdigen letzten Zeichens – auf dieser Seite.
Auch wenn sich die Spaziergängerin keinen Friedhof als eigene letzte Ruhestätte wünscht – hier bzw. dort im Ostfriedhof wäre es – bis auf Weiteres – stimmiger als in all den bisher besuchten Grabstätten in- und ausserhalb des Landes. Also: wer ihn noch nicht kennt, dem sei ein Spaziergang,  noch besser ein Verweilen an eben diesem Ort ans Herz gelegt.

Weitere Bilder folgen.