Das Mittelmeer

Der nachfolgende Text stammt aus dem Werk Silvae 3, 5, 78-107 (mit Auslassungen). Es sind die Worte von Papinius Statius, der mit diesen Versen seine Gattin für eine gemeinsame Rückkehr von Rom in seine Heimatstadt Neapel gewinnen wollte. Er war ein Dichter des ersten Jahrhunderts nach Christus.

«Auch meine Heimatstadt Neapel liegt dort, wo sich Fremde so zahlreich niederlassen. In diese Gegend will ich dich führen, wo die Winter so lind und kühl die Sommer sich mässigen, wo das ruhige Meer ans Land friedliche Wogen treibt. Überall stiller Friede und das Glück eines beschaulichen Lebens, nie wird die Ruhe gestört, und Schlaf erquickt die Müden. Kunst und natürliche Schönheit, die Säulenhallen und Tempel, Feste und Spiele, fast zur gleichen Zeit wie die Feiern auf dem Kapitol, jenes fröhliche und ungezwungene Leben, das auf glückliche Weise römische Würde mit dem freien Wesen der Griechen vereint. Auch die Umgebung bietet in buntem Wechsel Vergnügen. Wahrlich, entzückend ist es, die dampfenden Bäder von Baiae aufzusuchen, die lieblichen Strände und Capri, wo unsicheren Seefahrern ein Feuer, hell wie der Mond, vom Turme her leuchtet, Ischias heilende Wasser und Stabiae endlich, das neue, wiedererstanden aus Trümmern und Asche (neu aufgebaut nach dem Ausbruch des Vesuvs im Jahre 79 n. Chr.). Oh, ich könnte dir tausend Vorzüge meiner Heimat aufzählen, aber lass es genug sein, teure Gattin, denn sie hat auch mich erschaffen, für dich als deinen Mann fürs Leben.»

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