Unterwegs in Siziliens Osten, Teil 2: Rund um den Etna

Eisenbahn- und Landschaftsliebhaber (auch Liebhaberinnen…) sollten sich eine Fahrt mit der Schmalspurbahn Circumetnea nicht entgehen lassen. Sie ermöglicht, fast um den ganzen Etna herum zu fahren und dies in einem Zug, dessen Sitzgelegenheiten an Zeiten erinnern, in denen es in den Schweizer Zügen drei Klassen gab. Die Zugs“komposition“ scheint einem alten Film entlehnt zu sein, beförderte die Reisenden sehr pünktlich und ohne irgend welche Schwierigkeiten. Wer sich die Zeit nimmt, wird mit eindrücklichen Landschaftsbildern verwöhnt. Orangen- und Zitronenhaine unmittelbar vor den Fenstern, ab einer gewissen Höhe dominieren Oliven, Reben und Mandeln und im Grossraum um Bronte wachsen die Pistazienbäume, welche nur alle zwei Jahre Früchte tragen. Bizarr, geologisch interessant und etwas unheimlich sind die Hänge und Felder voller erstarrter Lavaströme. Entweder noch „frisch“ und unbedeckt oder schon wieder von Pionierpflanzen bedeckt. Die vulkanische Erde ist fruchtbar – das Leben an diesen Orten mit dem unberechenbaren Spucker im Nacken gewiss gewöhnungsbedürftig bzw. nicht für jeden Mann oder jede Frau. Auf der Zugsfahrt ist der Vulkan  bei gutem Wetter immer mal wieder zu sehen, näher oder weiter weg, hüllt sich aber oft innert kürzester Zeit in Wolken oder Rauch.  Die Tatsache, dass der „heisse Berg“ schneebedeckt war, dass einem der Schlunde stets Rauch entwich, dass gleichzeitig Agrumen und weiter meerwärts Fave geerntet wurden und Himmel und Meer in Blautönen erschienen, war ein kraftvolles-archaisches Schauspiel. Unmöglich, diesmal hinauf auf den Vulkan zu kommen – die Erinnerung an die Kraterlandschaften, den Schwefelgeruch und die unterweltliche, unheimliche Stimmung aufzufrischen. Ein andermal…! Die Fahrt ganz um den Etna dauert fast einen ganzen Tag, es ist gut möglich, nur Teilstrecken zurückzulegen. Die Reisenden hatten bei anderer Gelegenheit bereits eine ganze Umrundung gemacht und beschränkten sich diesmal auf das Teilstück Giarre-Randazzo.
Folgende Anmerkungen für Reisende: Die Züge verkehren wirklich, zu bestimmten Zeiten nutzen viele Schüler diese Fahrgelegenheiten. Den Fahrplan genau studieren oder bei einem Schalterbeamten nachfragen. Die Strecke kann nicht in einem „Zug“ abgefahren werden, Umsteigen erforderlich. Zwischen Catania und Giarre „normale“ Eisenbahn. Fahrkarten können im Zug gelöst werden. Dort gibt es (natürlich) keine Verpflegungsmöglichkeiten, wer länger unterwegs ist, tut gut daran, Proviant mitzunehmen. Nicht nachvollziehbar und äusserst ärgerlich ist, dass es (immer noch!) Orte gibt, an denen eine geordnete Abfallentsorgung nicht gewährleistet ist. Über die Gründe für diesen Missstand kann spekuliert werden – er ist unverzeihlich und bitterschade für die kulturell reiche und landschaftlich beeindruckende Insel.
Reizvolle Bilder, quasi eine virtuelle Reise findet sich hier.

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