Viel Vegi und wenig Wurst oder wie es wirklich ist …

„Wie Göttin in Frankreich“ könne frau/mann essen, wird prophezeit, wenn ein besonderes delikates Mahl gekocht oder angeboten wird. Die Schreiberin kennt keine Göttinnenwelten, weder französische noch irgendwelche anderen, wohl aber seit gut zwanzig Jahren ausserhäusliche Speiseangebote für vegetarisch lebende Menschen. Vegetarisch meint in ihrem Fall seit gut 7300 Tagen weder Fleisch noch Fisch, ohne Wenn und Aber, No-Olma-Bratwurst oder jambon weiss nicht was. Gründe gibt es einige, ein anderes Lebewesen zu töten um es zu essen ist für die Schreibende ein unerträglicher Gedanke, vom Tun nicht zu sprechen. JedeR hat ihre/seine Gründe und es ist mehr als müssig, darüber überhaupt noch Worte zu verlieren. Es gibt genügend Möglichkeiten, sich neben der ethischen Frage über die diversen Miseren in der Tierhaltung, der Getreideverschwendung etc. zu informieren, ebenso zur Frage des Fleischessens in bezug auf die eigene Gesundheit. Fast wie im Märchen von Hänsel und Gretel mutet es an, wenn Fleischkonsum durch die „glückliche“ Tierhaltung legitimiert werden soll. Die Hexe füttert Hänsel, damit er Fett ansetzt – warum wissen alle Grimmleser… Damit soll nicht geschmälert werden, was engagierte, nachdenkende Tierhalter in den letzten Jahren im Dasein ihrer Tiere verbessert haben. Die Schreiberin hat vor Urzeiten mit genau solchen Gedanken („die Tiere hatten es wenigstens gut…“) Fleisch gegessen, heute befällt sie beim Nachdenken Gruseln und Scham.
Genug Prolog. Unterwegs sein heisst auch auswärts essen, eine Zeitlang in Napoleons Landen, wo derselbe seinen Landsleuten jeden Sonntag ein Huhn in den Topf wünschte… Vielleicht gibt es Regionen in Frankreich, wo bekannt ist, dass auch ohne karnivore Teile gekocht werden könnte oder vielleicht hatten die Reisenden einfach Pech (zweimal auch Glück, davon weiter unten!) – nach weiss nicht wievielen Speisekarten durchlesen blieb meist ausser chèvre chaud auf Salat nichts ausser der Dessertkarte. Salate, Vor- und Hauptspeisen zuhauf, irgend ein Tierstück ist immer drin. Wir wollen das Problem nicht dramatisieren – niemand litt Hunger, es gab ja feinsten Ziegenkäse, Baguette und Trauben – unverständlich bleibt dieses eingefahrene, nicht nachdenkende Vorgehen vieler Restaurants bzw. deren Köche.

Bevor hier weiter Wünsche produziert werden, zwei bauchherzerfreuende Beispiele – so könnte es also auch sein: Ein Abend, schon angenachtet, die Reisenden etwas ermattet vom Tag, der Suche nach „siehe oben“ – eine letzte Adresse, die Karte fleischig wie immer. Puuh… mal fragen, wer weiss. Der Chef Typ „gmögiger“ Franzose begrüsst persönlich, noch bevor sich die Reisenden setzen, stammeln sie ihre Wünsche und siehe da, no problem, sagt er und mann/frau solle ihm vertrauen, Vorspeise und ein Hauptgang, ob das gut sei. Entzückt wird Platz genommen, Weisswein mit Cassis kennt die Servicefachfrau nicht, wieder taucht der Patron auf und erfüllt den Wunsch. Es war gut und das unkomplizierte Eingehen hat ihm nebst einem Lob den Eintrag in eine entsprechende Plattform gebracht, auf dass Andere auch in den Genuss kommen (und er eines Tages ganz selbstverständlich ein Vegi-Menü anbietet…:-) Es sah nach einem nicht festgehaltenen Amuse bouche so aus:

Das rosarote Etwas auf dem Vorspeisenteller ist kein Lachs, sondern eine Art eingelegter Rettich, der einem – hauchdünn geschnitten – erst auf eine falsche Fährte führt.  Die zweite Überraschung war ein Bistro in Collobrieres in den maurischen Bergen, wo ein charmanter Wirt seinen Chefteller (siehe grosses Beitragsbild ganz am Anfang) so gestaltete, dass lediglich die Wurst vorne rechts für den mitreisenden Herrn gedacht war und die ganze übrige Vielfalt fleisch-fischfrei war.  Soo gut, dass es einige Zeit später so aussah…
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Eine etwas anders geartete, nicht minder bedenkliche Seuche grassiert hierzulande in Restaurants und Betriebskantinen. Da glauben Kochleute, mit dem Ersetzen des Fleisches durch höchst fragwürdige Tofuprodukte sei das lästige Vegetarierproblem gelöst. Sie verschliessen die Augen vor der Herkunft ihrer Sojaprodukte (sprich Brasilien, Gentechnik, Regenwaldabholzung etc.) ebenso wie vor der Tatsache, dass viele dieser Fleischersatzprodukte stark verarbeitet und durch diverse Hilfsstoffe fragwürdiger Herkunft zu etwas Fleischähnlichem gemacht wurden. Nein, es ist NICHT okay, quasi eine „ersetzen-durch“-Funktion durchzuführen und nicht weiter über eine gesundes, ausgewogenes Vegi-Angebot nachzudenken! Lesen bildet (meistens) – es gibt Unmengen von vegetarischen Kochbüchern, in denen Inspirationen zu holen sind und die zeigen, wieviel ungehobene Schätze brach liegen. Mann/Frau müsste es wollen und dann vielleicht auch fleischessenden Zeitgenossen die eine oder andere speichelflussanregende Variante anbieten. Was ist beispielsweise mit den vielen Getreidesorten? Den zig Reissorten? Allen Hülsenfrüchten? Den vielen Gemüsevarianten? In der italienischen Küche gibt es unzählige Rezepte die vegetarisch sind, seit ewig, aus einfachen, guten Zutaten. Es gibt ein paar wenige Orte, an denen Menschen kochen, die sich von einer starren Menügestaltung (Fleisch im Mittelpunkt, die Beilagen drumherum) gelöst haben und eine kreative, lustvolle, vegetarische (oder gar vegane, aber das wäre wieder ein ganz anderes Thema…) Küche anbieten, oft unter dem Einfluss der Weltküche.
Und wenn es dann doch ab und zu Tofu sein darf,  bitte von dem, dessen Sojabohnen in der Schweiz angebaut wurden und der von einer Frau verarbeitet wird, welche die Zubereitung in ihrer Heimat kennengelernt hat. Auch hier gilt: ab und zu, dafür gute Qualität und fair produziert.
Es besteht Handlungsbedarf – nicht nur an dem Ort, an dem an erster Stelle des vegetarischen Menüs steht: „Fleischbouillon Maximilian“….

 

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